Regisseur Andreas Coerper wollte der Frage nachgehen, ob sich achtzehn Jahre nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland neues Leben entwickelt habe. Dazu suchte er jemanden, der im dreißig Kilometer-Radius ums Berliner Stadtzentrum wandert und mit den Leuten spricht, die ihm begegnen. Er fand Martin Sonneborn, ehemals Titanic-Chefredakteur und für Krawallsatire bekannt (hat u.a. mit Bestechungsfaxen die Fußball-WM nach Deutschland gebracht).
Sonneborns Weg führt über eine alte Eisenbahnbrücke, wo ihm ein Nudist den Weg versperrt, in eine Siedlung aus Fertighäusern, wo er das einzige Prozent Ostdeutscher sucht, die dort leben sollen, und an einen Platz, an dem Hundekotbehälter eine NS-Gedenkstätte umsäumen. Er übernachtet in einer Wohnwagensiedlung, die nach der Wende aus dem heutigen Berlin-Mitte aufs Land verfrachtet wurde, erfährt von Jugendlichen in Berlin-Marzahn, dass die DDR "Krieg" gewesen sei, trifft einen Misanthropen, der eine Baumschule betreibt, einen entrückten Gottesanbeter im Wald und schließlich Chinesen, die sich in Potsdam aufgrund von Sprachschwierigkeiten suggerieren lassen, dass sie, haha, bereit seien, ganz Deutschland platt zu machen.
Was bei "Heimatkunde" zunächst auffällt, ist die feine Erzählstimme aus dem Off mit dem ironisch ausgefeilten Text, die das Geschehen kommentiert. Verschleppte, verzerrte Gitarrentöne und eine abwechslungsreiche Kameraführung schaffen eine äußerst angenehme Stimmung. Überhaupt bietet "Heimatkunde" herrlich trostlose Bilder von verrottenden ehemaligen Schweine-LPGs, bizarrem Brachland, traurigen Landschaften und eigenwilligen Siedlungsformen. Sonneborn beschränkt sich auf knappes Nachfragen und pointiertes Stichwortgeben, verzichtet weitgehend darauf, die Menschen bloßzustellen.
Nach dem Film stellte sich Sonneborn den Fragen des Publikums im Dresdner Filmtheater Schauburg. -- Was leider zu einer eher peinlichen Selbstdarstellung geriet, in der Sonneborn ungefragt sämtliche Uralt-Titanic-Witze über den Osten ausgrub und für seine Spaßpartei warb. Er präsentierte sich als fleischgewordene Attitüde, an der alles abprallt. Sympathisch geht anders. Dafür reichte er den Blumenstrauß, den er von den Veranstaltern bekam, einer stadtbekannten redseligen Rentnerin in der ersten Reihe weiter. So ging der Film noch weiter, irgendwie.