Viel wird derzeit geschrieben über Politik und Wirtschaft Chinas. "Der Duft meiner Heimat" nähert sich dem Land von ganz anderer Seite: mit Kindheitserinnerungen, Rezepten, liebevollen Zeichnungen. Es ist ein besonderes Kochbuch - für gesellige Abende und alle Sinne.
Viel Liebe zu den Gaben der Natur hat Li Hong während ihrer Kindheit in China erlebt. Gemeinsam wurde das Essen zubereitet, das im Zentrum von Familienleben und Festen stand. Seit einigen Jahren lebt Li Hong in Deutschland, studierte hier Malerei und Illustration. Die Rezepte ihrer Familie hat sie nun in einem aufwendig gestalteten Buch veröffentlicht. Mit all den anrührenden Erinnerungen, Familienfotos und zarten, liebevollen Bildern ist "Der Duft meiner Heimat" viel mehr als ein Kochbuch.
Ihre frühesten Kindheitserinnerungen seien die an gemeinsame Mahlzeiten, schreibt Li Hong. "Irgendwann fing ich an, die Rezepte meiner Familie zu sammeln und nachzukochen; das leckere Essen stillte meinen Hunger, der vertraute Geschmack mein Heimweh." Das Dorf ihres Vaters liege in den Bergen der Region Huizhou im Südosten Chinas, wo die Menschen noch sehr ursprünglich lebten, Reis pflanzten, Schweine züchteten.
Mit prägnant und schlicht formulierter Anleitung werden Vorspeisen wie Gedämpfte Zuckerschoten mit Füllung und Fleischgerichte wie Schweinefilet mit salziger Sojabohnenpaste vorgestellt. Auch vegetarische, Fisch- und Geflügel-Rezepte finden sich, die auch für Anfänger geeignet sind. Drei der mehr als 50 beschriebenen Gerichte sind Nachspeisen: Bernstein-Walnüsse, Klebreisknödel mit Schwarzsesamfüllung und Kürbiskuchen.
Vielen der Rezepte geht eine Erzählung voraus. So beschreibt Hong, wie ihr Vater und sie durch die Bambuswälder streiften, um Sprossen auszugraben - und lässt dann ein passendes Familienrezept folgen: Bambussprossen mit Huhn. Auch die Geschichte ihrer aus Sichuan im Südwesten stammenden Mutter wird - illustriert mit Familienfotos - erzählt. "Scharf und heiß. Beim Essen muss man immer glücklich schwitzen", wird sie von Li Hong zitiert. Im Hinterhof einer Tante hätten Bäume des roten Sichuan-Pfeffers gestanden, dessen Duft den ganzen Hof erfüllt habe. Ein Rezept aus diesem Kapitel: Rindfleisch in scharfer Soße ("sehr scharf").
Die Eltern Li Hongs lernten sich in den 1960er Jahren im Botanischen Institut in Peking kennen. "Nach fünf Jahren waren sie immer noch lediglich Kollegen, beide waren sehr schüchtern." Dank einer älteren Kollegin fand das Paar endlich zusammen, das nach der Hochzeit zwei Töchter bekam. In ihrer Kindheit sei Peking noch sehr grün gewesen - und die Familie noch arm. "Wir hatten weder Kühlschrank noch Waschmaschine, keine elektrischen Geräte außer Lampen und ein Radio." Für die Kinder sei das Leben in den von einstöckigen Häusern umgebenen Höfen aber wundervoll gewesen.
Fast alles Geld hätten ihre Eltern in dieser Zeit für Essen ausgegeben, schreibt Hong. "Essen ist der Himmel", laute ein altes chinesisches Sprichwort. Für einzelne Zutaten wie Hühnerfleisch oder Trockenfrüchte habe die Mutter oft stundenlang in Warteschlangen gestanden. "Meine Eltern waren beide berufstätig, und meine Schwester und ich waren während der ganzen Woche im Kindergarten, wie damals alle Kinder in China." Das Gebäude habe mitten im Pekinger Zoo gelegen - weshalb nachts Wölfe vorm Schlafraum heulten.
Die vielen kleinen Geschichten und Erinnerungen machen das Buch zu einem Kleinod - bei weitem nicht nur für das Kochbuch-Regal. Als Illustratorin verbindet Li Hong klassische Elemente der chinesischen Bildsprache mit eigenen Erfahrungen und Stilelementen. Mit den Fotos, Texten und Zeichnungen aus einer Hand bekommen die Rezepte etwas anrührend Persönliches. Ein wundervolles Buch - auch als Geschenk super.