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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Heimat ist immer noch Sehnsucht nach der Kindheit" - Heinrich Böll,
Rezension bezieht sich auf: Heimat ist, was man vermisst: Eine vergnügliche Suche nach dem deutschen Zuhause (Taschenbuch)
Nach "Smörrebröd in Napoli" hat Sebastian Schnoy ein zweites vergnügliches, aber auch zum Nachdenken anregendes Buch verfasst, das man uneingeschränkt empfehlen kann.Was ist Heimat ? Diese Frage kann eigentlich gar nicht beantwortet werden, da jedem Menschen etwas anderes dazu einfällt. Dazu kommt, dass man die Heimat erst schätzen lernt, wenn man sie nicht mehr "hat" - also in der Fremde ist, weit weg von zuhause und in nostalgisch-wehmütigen Erinnerungen versinkt.... Sebastian Schnoy weiss zu diesem Thema viel Witziges, viel Nachdenkliches und auch vieles aus seiner eigenen Kindheit, bei dem man schmunzelt und denkt: Genauso war es! Als Beispiel sind die Spaziergänge genannt, die man sonntags nach dem Mittagessen mit der ganzen Familie, oft sehr widerstrebend, unternehmen musste. Oder Weihnachten bei den Eltern, zu denen man sich gerne auch als Erwachsener einlud, sich gerne über Konsumterror, Bräuche etc. mokierte, aber insgeheim das weihnachtliche "Heimatgefühl" genoss - und entsetzt war, wenn die Eltern an Weihnachten mal was anderes machen wollten - ohne Anhang.... Fazit: Eine vergnügliche Reise rund um die Welt mit vielen Einsichten und Ansichten das Wörtchen "Heimat" betreffend. Vieles ist überspitzt, vielem kann man zustimmen - aber in jedem Fall lesenswert. Dieses Buch sollte nicht zuletzt jedem Auswanderer ins Reisegepäck gelegt werden - denn irgendwann vermisst man am neuen Traumort irgendetwas typisch deutsches, über das man vielleicht vorher lästerte. Fazit: Absolut empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Warum die Tropen überschätzt werden - Schnoys glänzendes Deutschlandportrait!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Heimat ist, was man vermisst: Eine vergnügliche Suche nach dem deutschen Zuhause (Taschenbuch)
Ich gebe es gleich zu: ich bin ein bekennender Fan von Sebastian Schnoy. Er kann glänzend schreiben, ist angenehm links, erfrischend eigenwillig und dazu noch unglaublich komisch. Eine seltene Kombination. Umso größer war meine Angst, ob er sich diesmal nicht verhoben hat - Ein Deutschlandbuch? Eine Neudefinition von Heimat? Aber Schnoy ist schlau. Um das Land besser zu verstehen, das jeder von uns schon kennt, fährt er erst mal ganz weit weg: nach New York. Nach Florida. Nach Mallorca. Er tut das wirklich: eine Stärke von Schnoy ist seine Authentizität. Und er findet den Einarmigen, der auf dem New Yorker Busbahnhof arbeitet. Als Gepäck-Auslader. Was wäre dieser Einarmige in Deutschland? Ein100%-Erwerbsunfähiger mit Hartz-4-Rente. Den auch niemand einstellen würde. Erst recht nicht als Packer. Dieses Bild geht einem lange nicht aus dem Sinn. Genau so wenig wie das Telefonat, das er aus dem strahlend sonnigen Florida, wo er sein Buch schreibt, mit seiner Frau führt. Sie erzählt ihm von dem Igel, den sie ihm Herbstlaub im Garten gesehen hat. Und von dem Kinder-Laternenumzug, der gerade vorbeiläuft. Was Heimat ist? DAS ist Heimat! Schon beim Lesen kriegt man Heimweh nach diesem Igel.Natürlich gibt es auch urkomische Stellen. So wie wenn Schnoy sich vorstellt, was seine Eltern im Atomkriegs-Schutzbunker tun würden. 'Es ist fünf!' würde seine Mutter verkünden. 'Zeit zum Spazierengehn!' Etwas, was nur wir Deutsche tun. So wie früh aufstehen, auf den Brocken wandern und sich mitten in der Idylle die schlimmsten Sorgen machen. Seine Aufzählung, wer bei uns alles um die größte Sorge wetteifert, gehört zu den komischen Höhepunkten des Buches. Sebastian Schnoy hat ein kluges und lustiges Buch über unser Land geschrieben. Vor allem aber berührt er den Leser. Wenn der Mallorca-Auswanderer nach all seinen Hier-ist-es-noch-ganz-warm-SMS an seine deutschen Freunde kurz vor Weihnachten wieder nach Hamburg flüchtet, stehen dem Leser die Tränen in die Augen. Genau wie bei der atheistischen Seemannstaufe in der Elbe. Diese Mischung aus Komik und Ernst ist großartig. Und, wenn ich das noch sagen darf, sehr wenig deutsch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nicht sehr vergnüglich,
Von
Rezension bezieht sich auf: Heimat ist, was man vermisst: Eine vergnügliche Suche nach dem deutschen Zuhause (Taschenbuch)
Eigentlich ist der Titel schon das Ergebnis des Buches und der Untersuchung: Heimat ist, was man vermisst. Das erkennt Schnoy bereits zu Anfang des Buches, als er den dritten Winter hintereinander nicht in Deutschland verbringt und bei einem Telefongespräch mit seiner Freundin, deren Erzählungen über Blätterfegen, Kastanien und Igeln im deutschen Herbst, Heimweh bekommt. Mit einer ähnlichen Erzählung über seinen Freund, der den Winter auf Mallorca verbringt, schließt er die Untersuchung. Dazwischen habe ich nicht wirklich erkannt, inwiefern seine Ausführungen den Leser näher zur Antwort auf die Titelfrage bringen. Wo der Anfang lustig und liebevoll ist, z.B. Schoys Entdeckung in Irland, dass er nicht in der Lage ist, ein deutsches Volkslied zu singen, konnte ich im restlichen Buch kaum lachen. Zwar analysiert Schnoy, was in Deutschland so alles vor sich geht, manchmal recht pauschal, aber oft ist das nicht aus einer vergnüglichen Perspektive. Sein Distanzblick bringt eher Ablehnung mit sich. Wie er den Weltschmerz der Deutschen, ihren Hang zu Verschwörungstheorien und andere Eigenheiten darstellt, klingt meistens abfällig. Wie soll man da auf den Gedanken kommen, dass er hier über Heimat schreibt oder nach ihr sucht? Mich hat es ebenfalls etwas gestört, dass Schnoy so ungefähr alles, was in Deutschland vorkommt, seien es Spaziergänge oder Fußballbegeisterung, mit den Geschehnissen rund um den Nationalsozialismus verbindet. Aussagen wie, "Und jeder macht das, was er am besten kann, Franzosen genießen mit Stil und einer Prise Anarchie, Deutsche führen mal wieder Krieg.", finde ich besonders in dem Zusammenhang, in dem dieser Satz steht (Essen), unpassend. Schön ist ein Gedanke am Schluss, nämlich dass der Heimatbegriff größer wird, je weiter man von der Heimat weg geht. Wer in der Südsee auf einer Insel strandet, empfindet den festen Boden als Heimat. Wer von einer Marsmission zurückkommt, empfindet bereits Heimatgefühle, wenn er am Mond vorbeifliegt. Alles in allem hat das Buch recht lesenswerte Elemente, einen guten Anfang und Schluss, hält aber nicht, was es verspricht.
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