Eigentlich ist der Titel schon das Ergebnis des Buches und der Untersuchung: Heimat ist, was man vermisst. Das erkennt Schnoy bereits zu Anfang des Buches, als er den dritten Winter hintereinander nicht in Deutschland verbringt und bei einem Telefongespräch mit seiner Freundin, deren Erzählungen über Blätterfegen, Kastanien und Igeln im deutschen Herbst, Heimweh bekommt. Mit einer ähnlichen Erzählung über seinen Freund, der den Winter auf Mallorca verbringt, schließt er die Untersuchung. Dazwischen habe ich nicht wirklich erkannt, inwiefern seine Ausführungen den Leser näher zur Antwort auf die Titelfrage bringen. Wo der Anfang lustig und liebevoll ist, z.B. Schoys Entdeckung in Irland, dass er nicht in der Lage ist, ein deutsches Volkslied zu singen, konnte ich im restlichen Buch kaum lachen. Zwar analysiert Schnoy, was in Deutschland so alles vor sich geht, manchmal recht pauschal, aber oft ist das nicht aus einer vergnüglichen Perspektive. Sein Distanzblick bringt eher Ablehnung mit sich. Wie er den Weltschmerz der Deutschen, ihren Hang zu Verschwörungstheorien und andere Eigenheiten darstellt, klingt meistens abfällig. Wie soll man da auf den Gedanken kommen, dass er hier über Heimat schreibt oder nach ihr sucht? Mich hat es ebenfalls etwas gestört, dass Schnoy so ungefähr alles, was in Deutschland vorkommt, seien es Spaziergänge oder Fußballbegeisterung, mit den Geschehnissen rund um den Nationalsozialismus verbindet. Aussagen wie, "Und jeder macht das, was er am besten kann, Franzosen genießen mit Stil und einer Prise Anarchie, Deutsche führen mal wieder Krieg.", finde ich besonders in dem Zusammenhang, in dem dieser Satz steht (Essen), unpassend. Schön ist ein Gedanke am Schluss, nämlich dass der Heimatbegriff größer wird, je weiter man von der Heimat weg geht. Wer in der Südsee auf einer Insel strandet, empfindet den festen Boden als Heimat. Wer von einer Marsmission zurückkommt, empfindet bereits Heimatgefühle, wenn er am Mond vorbeifliegt. Alles in allem hat das Buch recht lesenswerte Elemente, einen guten Anfang und Schluss, hält aber nicht, was es verspricht.