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Heimat aus dem Koffer: Vom Leben nach Flucht und Vertreibung [Taschenbuch]

Hilke Lorenz
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

14. Januar 2011
In den Zeiten des Kalten Krieges waren die Länder ihrer Kindheit zu Sperrzonen geworden. Die Erwähnung der Heimat kam bis weit in die achtziger Jahre einem Tabubruch gleich. Einfühlsam und zutiefst berührend zeigt Bestsellerautorin Hilke Lorenz, welche Folgen diese große nie gelebte Trauer für die Vertriebenen und ihre Familien bis heute hat. 14 Millionen Menschen sind in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs vor der Roten Armee geflüchtet oder mussten nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschland ihre Heimat im Osten verlassen. Zwei Millionen haben Flucht und Vertreibung nicht überlebt, die anderen bekamen oft die Rache der Sieger zu spüren: Demütigungen, Misshandlungen und Vergewaltigungen. Aber diese furchtbaren Erlebnisse fanden keinen Platz in der bundesrepublikanischen Erinnerung. Integration war die Devise. So übten sich viele Flüchtlinge und Vertriebene in Selbstverleugnung. Die Menschen, die sie vermissten, und die Orte, nach denen sie sich sehnten, erwähnten sie nicht. Hilke Lorenz, deren Eltern aus Schlesien vertrieben wurden, hat mit vielen Betroffenen aber auch mit deren Kindern über die schwierige Zeit des Neubeginns und über das neue Leben in der Bundesrepublik gesprochen. Ihre persönlichen Erfahrungen vermitteln ein breitgefächertes Panorama des deutschen Zusammenwachsens.

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Heimat aus dem Koffer: Vom Leben nach Flucht und Vertreibung + Und tief in der Seele das Ferne: Die Geschichte einer Vertreibung aus Schlesien + Wolfskind: Die unglaubliche Lebensgeschichte des ostpreußischen Mädchens Liesabeth Otto
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Bereits im Vorwort macht Hilke Lorenz deutlich, wie vermint und tabuisiert das Thema noch immer ist. Bund der Vertriebenen, Erika Steinbach, Trachtenaufmärsche und Brauchtum, steinerne Mienen, Besitzansprüche. Namen und Begrifflichkeiten, die nicht gerade in die Moderne weisen. Wer sich also des Schicksals der Vertriebenen annimmt, gerät leicht in Gefahr, den Eishauch des Ewiggestrigen, gar des Geschichtsrevanchisten zu verströmen. Fragen nach Kriegsschuld und Sühne, nach Ursache und Wirkung hängen bleischwer im Raum. Nicht so für Hilke Lorenz. Nach Kriegskinder und Weiterleben, als sei nichts gewesen? ist dies der dritte Versuch der Stuttgarter Journalistin, Aufklärung durch Erinnerungskultur zu etablieren.

Stellvertretend für die 14 Millionen Menschen, die die Ostgebiete zwischen 1944 und 1946 durch Flucht oder Vertreibung verlassen mussten (geschätzte 2 Millionen kamen dabei ums Leben), verfolgt Hilke Lorenz zehn Schicksalsstränge, inklusive dem ihrer eigenen schlesischen Familie, die es auf die Schwäbische Alb verschlug. Herausgekommen sind Fallbeispiele bodenloser Abstürze in Heimatlosigkeit und Selbstnegation. Was alle einte, war das Gefühl von Fremdheit, Feindseligkeit und Ausgrenzung durch die eigenen Landsleute. So am Beispiel des Flüchtlingsmädchens Charlotte, die beim Abschlussball der Tanzschule “den Tanzpartner abbekam, mit dem keine andere tanzen wollte”. Noch heute erinnert sich die 75-Jährige an das schnell erlernte “Lügen und Portionieren der Wahrheit”, wenn sie nach ihrer Herkunft befragt wurde. Die Vertriebenen waren gleichwohl doppelt gestraft: Aus dem Osten geflohen, sahen sie sich bald als lästiger Stachel im Fleische eines sich bereits in der Verdrängungsphase behaglich machenden Westens.

Neben allen tragischen Aspekten vollführen Hilke Lorenz’ reportagehafte Essays auch einen durchaus farbenfrohen Zeitsprung in die Anfänge der Wirtschaftswunderrepublik und ihres Wiederaufbaus. Die neuerliche Tragik hierbei: Ausgerechnet in der umtriebigen Boomzeit der sogenannten Goldenen Fünfziger wollte man für Kriegsopfer, verlorene Ostgebiete und Vertriebene nur wenig Interesse aufbringen. Hilke Lorenz hat diesen Mangel behoben. Hier hat keine Funktionärin der Vertriebenenverbände gesprochen. Hier wurden nur gebrochene Biografien dokumentiert. Ohne zu klagen -- oder gar einzuklagen. Das muss möglich sein. –Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Der Autorin gelingt es, die Schicksale plastisch darzustellen, den Schrecken der Flüchtlingstrecks ohne Rührseligkeit und Schuldzuweisung darzustellen. Man merkt der Anteilnahme in ihren Texten an, dass auch sie selbst etwas abzuarbeiten hat, dass auch sie sich in ihrer Kindheit vielfach ausgeschlossen gefühlt hat und ihre Familie, wie es vielen Aussiedlern erging, zunächst die Ablehnung der Alteingesessenen zu spüren bekam. Ihr Buch ist ein ebenso engagierter wie besonnener Beitrag zur Diskussion um Flucht und Vertreibung.« Deutschlandradio Kultur, 21.10.09, Stefan May »Ein detailreiches,spannendes Panorama über ein unterbelichtetes Stück deutscher Historie.« Südwest Presse, Andreas Clasen, 21.10.09 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

4.6 von 5 Sternen
4.6 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
31 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Danke für dieses Buch! 7. November 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Wieviel Abneigung erträgt ein Kind, das aufbricht zu einem neuen
Leben ohne Vater, ohne Heimat und ohne lieb gewordene Freunde. Dieses
Buch handelt von Menschen, die nach der sogenannten Stunde Null im
Reich angekommen sind. Damals Kinder, die mit ihren Müttern vertrieben
worden. Jetzt selber Mütter oder Großmütter, die den Mut hatten, Hilke
Lorenz diese grauenvollen Erlebnisse zu schildern. Sie hat in diesem
Buch wunderbar einfühlsam die Erinnerungen niedergeschrieben und den
durch diese Verbundenheit gewordenen Freunde geholfen, endlich ihre
Vergangenheit offen zu bekennen und zu bewältigen. Ich habe dieses
Buch schon zu verschiedenen Anlässen verschenkt und auch Freunden
empfohlen, nicht mit erhobenen Finger 'Wie gut habt ihr es heute',
sondern zum besseren Verständnis für die Heimatvertriebenen. Eine gute
Idee, einen Teil deutscher Geschichte mit persönlichen Erlebnissen zu
schildern. Ein Muss für jeden an der deutschen Vergangenheit
interessierten Leser. Danke für dieses Buch!
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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfühlsame Porträts 19. November 2009
Von Thomas
Format:Gebundene Ausgabe
Hilke Lorenz hat mit diesem Buch ein einmaliges Zeugnis zur seelischen Befindlichkeit der Vertriebenen geschrieben. Die geschichtlichen Abläufe der Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten kommen in ihrem Buch nur am Rande vor - sie schaut vielmehr auf den einzelnen Menschen und fragt, was die Vertreibung mit ihm gemacht hat. Die Antworten sind ebenso erstaunlich wie erschütternd: Hilke Lorenz zeigt, wie diese wenigen Wochen der Flucht den Menschen sein ganzes Leben lang prägen, wie sich das Trauma oft sogar in die zweite Generation hinein fortpflanzt. Der Autorin gelingen überaus sensible und tiefschürfende Einblicke in die Seelenlandschaft der Vertriebenen. Aus subtilen Zeichen, aus kleinen Gesten und unscheinbaren Überresten liest Hilke Lorenz zutiefst berührende Lebensgeschichten. Dieses Buch erzählt deshalb mehr über die tiefen Verletzungen und über die gefühlte Heimatlosigkeit der Vertriebenen als jede historische Abhandlung. Und es würdigt die Leistung der Vertriebenen, sich trotz allem in die deutsche Gesellschaft integriert zu haben, auf sehr menschliche Art. Diese Buch bewegt sich auf der Grenzlinie zwischen Psychologie und Geschichte und ist gerade deshalb so einzigartig. Respekt vor dieser Leistung.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen erschütternd, berührend, notwendig und aktuell 27. Juli 2012
Format:Taschenbuch
Die Lebenserzählungen der Betroffenen, die schutzlos in die Zeitgeschichte geworfen wurden, sind berührend und erschütternd.

Das Buch verdeutlicht mir (Jg. 59) folgendes :

1.) Die Traumatisierungen der Betroffenen waren "ein grauenhaftes Schicksal und niemand hat bei der Aufarbeitung geholfen" (S.166/67).

2.) Das Bewußtsein einer kollektiven Schuld hatte man : "Man ahnte genug vom Wirken der eigenen Truppen im Feindesland um sich die Rache des Feindes ausmalen zu können" (S. 193)

3.) Es fand eine erneute Ausgrenzung und Demütigungen der Flüchtlinge in der BRD statt. Es sind einzelne Personen - auf Seiten der "Sieger" wie der Deutschen, die sich als menschlich erweisen.

4.) Die Vertriebenen schwiegen in der neuen Republik über ihre Erfahrungen: "Mit 19 Jahren kann man sich nicht in Trauer einkapseln. Es geht vorwärts, ob man will oder nicht. Man braucht Überlebensstrategien. Traurig nach innen, funktionieren nach außen" (S. 179)

5.) Die BRD wollte von dem Leid der Flüchtlinge nichts wissen:
"Der Zeitgeist sagte : Das hat nichts zu bedeuten, das Leid der anderen war viel schlimmer" (S. 102)und "rückte die Erzählungen in die Nähe revanchistischen Gedankenguts" (S. 11)

6.) Auch die nächste Generation trug Folgen wie :
- irritierende Ahnungslosigkeit :"In der früheren Heimat meiner Eltern so belegte die Tagesschau gebe es nicht einmal das Wetter" (S. 23)
- innere Heimatlosigkeit : "Nicht richtig dazugehören und gerade deshalb nicht auffallen dürfen" (S. 167).
- Abgrenzungsversuche : "Man mußte weg von soviel Vergangenheit und Verwundung, um nicht von Schwermut erdrückt zu werden" (S.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich war damals 8 jährig. 30. Januar 2013
Von Missura
Format:Taschenbuch|Verifizierter Kauf
Wenn man die II. Weltkrieg erlebt hat, ist das Buch doppelt interessant.
Unerträgliche Belastung ist einfach da: Ausgeliefert dem Schicksal.
Erwachsene töten einander und mich fragt niemand, was ich für wünsche
habe! Ich muss zufrieden sein,wenn meine Mutter nicht vergewaltigt wird.
Jüngere Generation solche Dimensionen können kaum vorstellen.
Ich sollte meine Erinnerungen in 2-3 Bänder auch schreiben.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen tief bewegt - das beste zum thema! 5. Mai 2012
Format:Taschenbuch
ich bin tief bewegt von diesem buch! ich habe schon viel zum thema gelesen, aber dieses hier ist bislang das beste, was ich in die finger bekommen habe! nicht nur sind die versammelten biografien erschütternd, das sind viele aus diesen tagen und doch ist jede immer wieder neu und individuell und erschütternd - nein, was für mich das besondere erlebnis bei der lektüre ist, ist dass die autorin nicht nur an der journalistischen aufarbeitung interessiert ist, sonder ihr enormes hintergrund wissen in großartige sprachliche bilder umzusetzen versteht. sie widersteht durchgehend dem reißerischen, z.b. wenn es um das thema vergewaltigung geht, findet aber dennoch oft ein viel erschütternderes bild, eine formulierung, die das kopfkino eine umso dramatischere szene produzieren lässt. so liest man manche dreißig seiten biografie wie einen 180-seitigen krimi und muss dies auch oft erst einmal verdauen. aber ich möchte dieses buch nicht mehr missen! und als systemischer familienaufsteller weiß ich , wie sehr das thema noch zwei, drei generationen später wirkt! unbedingt lesen!!
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