DIE ZWEITE HEIMAT von Regisseur und Autor Edgar Reitz erzählt die Geschichte einer Gruppe von Münchner Musik- und Filmstudenten, deren Hoffnungen, Wünsche, Liebschaften und Träume im München der Jahre 1960 bis 1971 immer neuen Herausforderungen unterzogen werden.
Die 13 Filme, die ARTE und die ARD erstmals im April und Mai 1993 ausstrahlten, bilden einen abgehenden Handlungsstrang von Reitz' erster HEIMAT (1982-84). Beide Werke (zusammen mit der recht neuen HEIMAT 3) bilden das größte deutsche TV-Epos aller Zeiten. Das Drama zeigt wohl so authentisch, sinnlich, so schwelgend und tiefgreifend wie kein anderer Film das Lebens- und eben Heimatgefühl eines jeden einzelnen von uns, ohne in falsche Sentimentalitäten oder Kitsch abzugleiten.
DIE ZWEITE HEIMAT gehört mit 25 Stunden Filmlänge zu der längsten der 3 Reihen, meiner Meinung nach ist sie sogar noch gelungener als HEIMAT 1. Die nötige Zeit (und Geduld) für das Stück jedoch fehlte einem Großteil des deutschen TV-Publikums bei der Erstausstrahlung.
Vielleicht, weil damals der erste Boom des Privatfernsehens spannender war als ein öffentlich-rechtlicher Mega-Fernsehfilm. Auch die Kritiken überschlugen sich nicht mehr wie bei der 11teiligen Vorgängerserie; umso schöner, daß wenigstens das europäische Ausland die 13 Filme schon mehrfach ausstrahlte; in Italien liefen die Folgen gar im Kino und wurden zu einem gesellschaftlichen Ereignis, die BBC London setzte DIE ZWEITE HEIMAT auf Samstag Abend, 20 Uhr.
Bei uns erfuhr das Werk nach 1993 nur noch eine Pflichtwiederholung um 23 Uhr in 3sat.
Umso schöner, daß jetzt alle 13 Folgen als DVD vorliegen, doch leider scheinen überhaupt keine Zusatzmaterialien vorhanden zu sein, was ich sehr bedaure, da ich bereits mehrere Drehberichte und Interviews in der ARD, bzw. den Dritten gesehen habe.
Sicher, DIE ZWEITE HEIMAT ist kein amerikanischer Spielfilm, der eine Vermarktung mit viel Schnickschnack auf der DVD einkalkuliert, aber dieses Epos verdient mehr als eine bloße digitale Aufbereitung.
Schade, daß hier offenbar gar nichts geplant wurde. Nun gibt Reitz ja auch gerne zu, daß er vom heutigen Fernsehen nicht mehr viel hält, wer will ihm das verübeln, aber etwas mehr Opulenz in der Ausstattung darf er schon zulassen, oder?
Dennoch: Die Filme verdienen 5 Sterne und alle, die diese DVD beziehen, werden meiner Meinung nach mit Sicherheit nicht enttäuscht werden.