In den Achtziger Jahren war dieser erste Teil der inzwischen vollständigen Heimat-Trilogie ein Fernsehereignis, ein Strassenfeger. Edgar Reitz hatte sich vorgenommen, sich den filmischen Blick auf die deutsche Geschichte von Hollywood zurückzuholen. Daher rührt der trotzige Meilenstein mit der Aufschrift "Made in Germany" als Intro jeder Folge. Die Filme selbst sind auch 20 Jahre nach ihrer Veröffentlichung eine Offenbarung. Fernab jeder "modernen" Erzählweise entfaltet sich der Zauber von Heimat Schritt für Schritt, oft durch lange Kameraschwenks über den Hunsrück gegliedert und gleichzeitig illustriert. Die Liebe zu seinen Figuren unterstreicht Reitz noch dadurch, daß er einige Rollen mit Laiendarstellern besetzt hat. Eine gewisse Hölzernheit in manchen Momenten in Kauf nehmend, erreicht er so eine Authentizität, die im deutschen Kino schlicht einzigartig ist.
Als historisch und politisch korrektes Geschichtsbild von Deutschland taugt "Heimat" nicht. Dazu ist Reitz' Blick zu privat, zu sehr erzählt er aus der Sicht der Bewohner des Hunsrückdorfes Schabbach. Drittes Reich, Judenverfolgung, Krieg; vieles davon wird nur peripher behandelt, wofür Reitz von internationalen Kritikern auch angegriffen worden ist. Auf den zweiten Blick erscheint der Vorwurf der Geschichtsbeschönigung absurd. Reitz ist - so scheint es - mit dieser provinzfixierten Sichtweise manchmal näher an einer nachvollziehbaren Erklärung für die politischen Ereignisse dieser Zeit als Werke, die im Zentrum des Geschehens angesiedelt sind. Die Nazi-Fassade glänzt vor dem Hunsrücker Dorfdreck noch verführerischer.
Wenn es stimmt, daß eine günstigere, zudem untertitelfreie deutsche Version kommt, ist der UK-Import allerdings keine gute Lösung.