Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe das Buch nur halb gelesen, werde es wohl auch nicht weiter lesen. Insofern möge man dieser Rezension die entsprechende kritische Haltung entgegen bringen. Dennoch finde ich, wenngleich nicht das ganze Buch, so doch in jedem Fall den Anfang ausgesprochen lesenswert. Pearsall zeigt auf, daß Zellen, hier insbesondere Herzzellen, offensichtlich ein Gedächtnis haben, daß Herzen ganz offensichtlich Erlebniserinnerungen speichern können. Dazu bringt Pearsall haarsträubende Ereignisse aus seiner Praxis der Herztransplantation. Leider hören damit auch fast schon die Informationen zum Thema auf. Und was mich persönlich verärgert, nachfolgend kommen im Buch weitere Informationen nur noch als Einsprengsel vor, so daß ich mich durch viele Seiten anderen Inhalts durchgequält habe, immer wartend darauf, noch einmal Informationen wie anfangs zu erhalten.
Pearsall spricht von kardiosensiblen Menschen, hier sind insbesondere Herztransplantatempfänger benannt, die den "Code des Herzens" empfinden können. Und naturgemäß gibt es solche Menschen nicht allein in diesem engen klinischen Kontext. Was der Autor aber dann alles in diesen Herzcode hineindeutet bzw. wie er das Gehirn als gefühlskalt, eben herzlos und fast schon in dieser Herzlosigkeit auf einem Weg des Todes sieht, das bleibt in meinen Augen reine Phantasie. Außerdem hat die Hirnforschung gezeigt, daß im Gehirn allein Gefühle verortet sind, keine Logik, vielmehr daß, was wir als Logik bezeichnen, wiederum sozusagen Kontroll- und Sicherheitsstrebungen zuzuordnen ist. Und dann scheint Pearsall all seine wunderbaren Phantasien von einer heilen Welt in diesen Herzcode projiziert zu haben. Es sind in der Tat schöne Gedanken; und insofern lohnt es sich, auch das zu lesen - sofern man sich daran erfreuen will. Aber die permanente Vermengung von solchen Phantasien mit Fakten mindert in meinen Augen den Wert. Zwar benennt Pearsall Ansichten anderer Forscher, die zu ähnlichen Gedanken gekommen sind wie er. Und in der Tat ist immer in der Wissenschaft zunächst einmal eine Hypothese vorhanden. Das macht nicht meine Kritik aus. Aber daß der Umstand ähnlicher Beobachtungen und ähnlicher Rückschlüsse schon als Beweis verkauft" wird, das stört.
Auch hat mich verwundert, wie man ein Thema durch ständiges und nochmaliges Wiederholen auf fast vierhundert Buchseiten auswalzen kann. Zwar kenne ich aus der wissenschaftlichen Literatur, daß man ein Thema von drei, vier, zehn Seiten und mehr beleuchtet und dann immer wieder zur selben Aussage kommt. Aber dann ist es wissenschaftliche Literatur; und da sind Fakten und Hypothese streng getrennt. Das vorliegende Buch aber vermengt beides in für mich unerträglicher Weise.
Dennoch, wie gesagt, halte ich den Anfang des Buchs für durchaus lesenswert. Es werden erstaunliche Fakten genannt. Auch die daraus folgende Hypothese ist nachdenkenswert. Hätte man den Inhalt nicht auf vierhundert, sondern vielleicht auf hundert Seiten präsentiert, wäre es gewiß ein wunderbares Buch geworden. So bleibt es das nur mit vielen Einschränkungen. Schade.