Der Kleingärtner bekämpft sie, wo immer er sie in seinem Reich antrifft. Er reißt sie aus, er verbrennt sie, er versucht sie zu vergiften. Doch es hilft nichts. Sie kommen immer wieder. Aber diese Botschaft erkennt er nicht. Er kann in der Stärke von Löwenzahn, Giersch, Brennnessel und Vogelmiere nichts Gutes sehen. Sie sind für ihn eine Bedrohung seines lappigen Kopfsalats, der nach nichts schmeckt und nur Bruchteile der Lebenskraft der gehassten Unkräuter in sich trägt. Wahrscheinlich würde er auch lieber verhungern als sie zu essen.
Ist nicht unser liebloses Verhalten zu diesen urwüchsigen und kraftvollen Pflanzen ein Zeichen dafür, wie weit wir vom Wege abgekommen sind? Denn früher, so weiß der Autor zu berichten, schätzte und verehrte man sie.
Der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl erzählt uns in diesem Büchlein eigentlich alles, was man wissen muss, um Brennnessel, Beifuß, Gundermann, Giersch, Wegerich, Schachtelhalm, Gänseblümchen, Vogelmiere und Löwenzahn kennen und schätzen zu lernen. Wir erfahren, wofür man sie in alten Zeiten verehrte und wie sie tatsächlich wirken. Auf Seite 13 lesen wir über die übliche Art von Kräuterbüchern: "Leider werden die in diesen Werken aufgelisteten Exemplare praktisch nur als >Behälter< chemischer Wirkstoffe angesehen." Und weiter: "Eine Pflanze ist mehr als nur die Summe der toten Stoffe, die sie enthält."
Bereits zu Urzeiten gab es Menschen, die über hilfreiche Pflanzen mehr wussten als die anderen der Sippe. Dafür wurden sie geachtet und dadurch erhielten sie Macht. Allein aus diesem Grunde wurde solches Wissen geheim gehalten. Bis heute hat sich dieses System erhalten und bis heute glauben wir deshalb an die Macht von Tinkturen, Tees und sonstiger Ableitungen aus lebenden Pflanzen.
Dabei ist die Sache ganz einfach und völlig unkompliziert. Man lese dieses sehr lehrreiche Buch, fasse sich ein Herz und esse jeden Tag eine Handvoll (oder auch zwei) von diesen Kräutern, und zwar so frisch wie nur irgend möglich. Dann wird sich unser Leben verändern. Wir werden uns körperlich besser fühlen. Und nach und nach wird auch der Geist sich verändern. Garantiert.
Übrigens kann man die Vogelmiere auch im Winter finden. Sie wächst sogar unter dem Schnee hervorragend. Unsichere und Vergiftungen fürchtende Menschen können sich ja zur Sicherheit noch andere Bücher mit besseren Fotos kaufen oder eine geführte Kräuterwanderung mitmachen. Und wer Brennnesseln nicht essen will, der nehme die Taubnessel, welche nicht brennt, aber ähnliche Wirkungen hat.
Es gibt weder Geheimnisse noch Wundermittel. Wer das nicht vorher schon wusste, der lernt es mit diesem Buch. Es liest sich nicht nur schön, sondern kann auch dem Leben eine neue Richtung geben.