Aus der Amazon.de-Redaktion
Mit dem Krieg der Antiterrorallianz gegen Al Quaida und Taliban kehrte eine Weltregion in das Bewusstsein der westlich orientierten Weltöffentlichkeit zurück, die lange Zeit ein Schattendasein fristete: Zentralasien. Plötzlich herrschte über die dortigen Machtstrukturen und -verhältnisse, über das konfliktträchtige Zusammentreffen verschiedener Religionsgemeinschaften sowie über die unterschiedlichen sozioökonomischen Zustände immenser Informationsbedarf. Auch wenn diese Nachfrage durch eine Reihe schnell auf den Markt geworfener Publikationen oberflächlich befriedigt schien, so war doch einige Zeit ein Mangel an Büchern festzustellen, die von in der Region ansässigen Autoren mit Kenntnis von Land und Leuten verfasst wurden.
Ahmed Rashid, in Pakistan lebender Journalist, steht für diese Art des Einblicks aus erster Hand. Schon sein Buch Taliban. Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad wurde binnen kurzem zum Standardwerk und in 25 Sprachen übersetzt. Mit dem vorliegenden Buch gelingt ihm wiederum eine eindringliche Analyse der islamischen Bewegungen im zentralasiatischen Raum. Ausgehend von den religiös-historischen Wurzeln zeigt Rashid, wie auch zu Sowjetzeiten so etwas wie ein islamischer Untergrund aktiv war. So erstaunte es nicht, dass sich die aus der sowjetischen Konkursmasse hervorgegangenen Staaten Usbekistan, Kirgisien oder auch Tadschikistan von Anfang an mit starken islamistisch-fundamentalistischen Bewegungen konfrontiert sahen. Diese Bewegungen haben durch die militärische Intervention des Westens in Afghanistan weiter an Zulauf gewonnen.
Bei der Suche nach den Gründen für die Instabilität spricht Rashid von einem "kulturellen Vakuum" im Herzen Zentralasiens, das aber nicht einfach durch die "Imitation westlicher Kultur gefüllt" werden könne. Das Ergebnis seiner Bestandsaufnahme ist ein für Außenstehende nahezu undurchschaubares Konglomerat aus religiös, ethnisch, wirtschaftlich und machtpolitisch motivierten Rivalitäten und Konfrontationslinien. Rashid übernimmt für den Leser die Rolle des Führers durch diese Wirrnisse, und er tut dies auf kritische, aber nicht aufdringliche Weise. Und das ist es wohl, was das Buch über den eigentlichen Informationsgehalt hinaus so wertvoll macht. --Dr. Manfred Schwarzmeier
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 27.03.2002
Gabriele Venzky ist schockiert. Was der pakistanische Journalist Ahmed Rashid in seinem neuen Buch über Zentralasien präsentiert, verschlägt der Rezensentin fast die Sprache. Dann jedoch macht sie in aller Drastik ihrem Schrecken über die geschilderten Entwicklungen Luft: 50 Millionen Menschen in Zentralasien seien ihren "korrupten Autokraten" ausgeliefert und würden wegen der Unterdrückung gerade des toleranten Islam direkt in die Radikalisierung getrieben. Gestützt werden diese Machthaber, berichtet Venzky, von den USA, die zwar nicht blind seien für diese Entwicklung, aber mehr an den Bodenschätzen interessiert seien als an den katastrophalen Folgen dieser Entwicklung. "In Zentralasien braut sich eine neue Bedrohung für die sichere Zukunft der Welt zusammen", schreibt die Rezensentin und teilt damit die Ansichten des Autors, die sie im vorliegenden Band hieb- und stichfest belegt findet.
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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2002
Ein wichtiges und in der öffentlichen Diskussion oft vernachlässigtes Thema ist der politische, religiöse und ökonomische Zustand Zentralasiens nach Meinung von Werner Link und deshalb rezensiert er Ahmed Rashids Arbeit zum Thema auch mit großem Interesse. In der Region brodelt ein gefährliches Gemisch von machtpolitischen und religiösen Interessen gepaart mit einem Wettlauf um die großen Energievorräten der Region. Den Thesen des Autors, nämlich dass die Problematik der Radikalislamisten durch zwei Faktoren - erstens durch Druck von außen, zweitens durch ein wegen der autoritären, postsowjetischen Regierungen günstiger Nährboden - forciert wurde, stimmt Werner Link im wesentlichen zu. Dennoch scheint er weniger optimistisch zu sein als der Autor selbst, was mögliche Auswege aus dieser explosiven Situation angeht. Zu dessen hoffnungsvollen Ratschlägen an regionale und internationale Regierungen bemerkt er lediglich: "Ob dies eine Erwartung ist, die durch Analyse der Vergangenheit und durch 'die neuen Spielregeln' nach dem 11. September gestützt wird, kann bezweifelt werden." Trotzdem ist Links Gesamteindruck dieses Buchs, das sich seiner Ansicht nach auch für den "interessierten politischen Laien" anbietet, positiv.
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 27.05.2002
Heiko Flottau betont, dass der pakistanische Autor seit seinem letzten Buch als "anerkannter Experte" gilt, wenn es um islamistische Bewegungen geht. Und so empfiehlt der Rezensent auch uneingeschränkt dieses Buch, das sich mit den Islamisten in zentralasiatischen Republiken beschäftigt. Er legt es allen nachdrücklich ans Herz, die sich durch die "komplizierten Zusammenhänge" findet möchten, die die Konflikte dieser Regionen ausmachen. Flottau findet beim Autor so wichtige Begriffe wie den "Dschihad" erklärt und die Gründe für das Erstarken radikaler islamistischer Gruppen seit Untergang der Sowjetunion aufschlussreich dargelegt. Dabei scheint er das Bedauern Rashids darüber zu teilen, dass die USA nichts zur Lösung der Schwierigkeiten beigetragen, sondern lediglich eigene Interessen verfolgt haben. Denn, referiert er die Ansicht des Autors, der Sieg über die Taliban in Afghanistan nützt nichts, wenn sich währenddessen in Usbekistan neue radikale Gruppen formieren.
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