Ich habe mir das Buch in der Bücherei ausgeliehen und bin froh darüber, denn das Buch ist seinen Preis nicht wert. Die Arbeit der beiden Autoren schon - nur das Buch eben nicht.
Das Buch ist groß aber nicht dick. Höchstens ein Drittel des Buches ist mit geschichtlichen Informationen in Form eines eher flüchtigen Abrisses mit Schwerpunkt im 18. und 19. Jahrhundert gefüllt, bei denen man sich teilweise fragt, ob Joachim Skerl bei Judith Groschang abgeschrieben hat oder sie bei ihm. Teilweise ist sogar der Wortlaut identisch, wobei Groschangs Buch umfangreicher und empfehlenswert ist.
Das nächste Problem besteht aus Flüchtigkeitsfehlern. Der gute Baron Otto von Kahlden muss bei Skerl sein "d" lassen. Gut, anderswo hätte er das "von" lassen müssen. An Informationen bringt das Buch nichts neues und es ist sehr befremdlich, darin zu lesen, dass die Burg "Hohenzollern" durch die Sanierung 1950 nicht mehr in der alten Form erlebbar ist. Das Buch stammt von 2003 und behandelt auch die Geschichte einschließlich des Jahres 2003 bis zum Juni und dazu gesellen sich Bilder der Burg von 2003. Da war die Burg wieder so, wie sie 1848 war und damit passt diese Aussage nicht und erweckt den Anschein, als hätte man auf einen Text zurückgegriffen, den Skerl "irgendwann einmal" geschrieben hat.
Schön sind die Bilder in ihrer Größe und Professionalität. Zwar fragt man sich, was zwei Bilder des Quellentals bei Glashagen und Hohenfelde da zu suchen haben aber okay - künstlerische Freiheit. Nein, dem Charme des Morbiden ist auch Grundner nicht erlegen. Er konzentriert sich auf die See- und Westseite, die sanierten Gebäude und das Meer. Was zu arg verfallen ist, fotografiert er lieber im roten Abendlicht, wo selbst das (und nicht "die") Alexandrinen-Cottage bewohnt und beleuchtet aussieht. Mehr als ein kurzer Satz pro Bild ist nicht drin. Es wirkt eher wie ein privates Fotoalbum mit Kommentaren. Wenngleich sicherlich für einen Einheimischen das Ensemble so selbstverständlich sein mag, dass er es gar nicht weiter kommentieren möchte. Es hat so aber nicht den Anschein, als hätten Skerl und Grundner gemeinsam an dem Buch gearbeitet sondern wirkt so, als hätte der eine den Text geschrieben, der andere die Bilder gemacht und das wurde dann zusammengewürfelt. Allgemein erweckt es den Anschein, als möge Grundner eher die Landschaft, als die Architektur, denn viele Bilder zeigen das Meer, die Brandung, Wald und Flur und jahreszeitliche Veränderungen. Grundner ist mit dem Ensemble groß geworden. Vielleicht hat es die Faszination für ihn etwas verloren?
Im Großen und Ganzen ein schhönes Bilderbuch, das wegen der Bilder einen Stern verdient hat. Der Text reicht für die Wartezeit beim Arzt oder Friseur, ist aber als Chronik nicht zu gebrauchen. Architekturinteressierte finden einige Informationen, die sie aber bei Groschang viel umfangreicher und preisgünstiger bekommen. Für ein reines Bilderbuch ist das Buch entschieden zu teuer, allerdings wird das wohl eher den Herstellungskosten und der kleinen Auflage geschuldet sein und nicht der Gier der Verfasser.