Dieses Büchlein des Schweizer Pfarrers und Schriftstellers Kurt Marti hat es wirklich in sich. Auf nur 45 Seiten sind 63 Spätsätze zu lesen. Sentenzen also. Es empfiehlt sich, dass bewusst im zeitlichen Abstand zu tun, um das laut Gelesene mit einem nachdenklichen Schweigen zu quittieren.
Es sind Lebensweisheiten im wahrsten Sinn des Wortes, die mir beim ersten Mal den Atem verschlagen haben. Diese Sinn- und Denksprüche sind in fünf lebensebensgeschichtlich orientierten Rubriken gesammelt und unter den Überschriften - Untaug- licher Witwer (8), Abendleben (19), Wem glauben? (15), Heilige Vergänglichkeit (13), Nichts ist selbstverständlich (8) - gedruckt worden. Sie sind zu kostbar, dass sie verloren gehen könnten.
Dabei sind sie so verteilt, dass die Buchseiten dem Lesenden genug freie Zwi-schenräume geben, erst einmal zu staunen oder den Kopf zu schütteln, in jedem Fall darüber nachzudenken, um möglicherweise die eigenen Anmerkungen auch sofort notieren zu können.
Die Aphorismen spiegeln die Gratwanderungen Kurt Martis in seiner gestundeten Existenz der Todesnähe wider: die heitere Gelassenheit eines konsequent denken-den und glaubenden Menschen.In der Alten- oder Altersliteratur eine kostbare Rarität.
Die Alten könnten es lesen, deren erwachsenen Kinder und Enkel sollten es lesen.