Eines vorweg, schlecht ist das Buch nicht. Aber wirklich gut eben auch nicht. Man muss Löw zu Gute halten, dass er ohne Vorkenntnisse versucht hat, ein Buch über eine komplexe Region zu schreiben. Und genau das ist es eben auch: Beschreibung seiner Erlebnisse, ohne Wertung, manchmal etwas naiv, aber unvoreingenommen. Schwierig ist allerdings, dass der Autor das Geschehen nicht einordnen kann. Dadurch hat man zwar nicht den Eindruck der Autor wolle den Leser politisch in eine Richtung drängen, vieles was passiert bleibt aber ohne Hintergrund und dadurch nur schwer verständlich für den Leser, der sich nicht auskennt. Und das Beschriebene ist oberflächlich und geht wenig über das hinaus, was man in der Zeitung lesen konnte. Dies ist ein weiterer Negativpunkt. Das Buch ist von 2004, dem Ende der zweiten Intifada. Die sich schnell ändernde Lage vor Ort hat heute nur noch wenig mit der Situation damals zu tun.
Bedenklich ist, dass Löw der alten Falle verfällt und versucht das Wesen des Konfliktes als hauptsächlich religiös zu beschreiben. Dadurch verpasst er wesentliche Aspekte wie Wirtschaft, Ressourcen u.a. Es gibt eben keinen direkten Erklärungsstrang von biblischen Zeiten bis heute, wie das gerne radikale Juden und Muslime deklarieren.
Nur einmal bezieht der Autor dann doch Position, als er den Mufti von Jerusalem interviewt. Selbstgerecht verfällt er in die Rolle des Lehrmeisters, der dem Mann, der fürwahr kein Radikaler war, erklären möchte, wie er seine Religion zu verstehen habe und wie wundervoll dies in Europa gelöst wäre. Der Mufti hingegen argumentiert gar nicht in archaischen Begriffen, sondern mit internationalem Recht und Menschenrechten. Der Autor versteht dies leider nicht und enthüllt damit sein geringes Verständnis des Rahmens, in dem er sich bewegt.
Was zu guter Letzt mir dann doch wirklich negativ auffiel - neben einigen falsch beschrifteten Bildern, die ganz andere Orte zeigten, als beschrieben - ist das Kokettieren des Autors mit seinem "Abenteuer". Nichts von dem, was Löw tut war wirklich gefährlich und das muss ihm während seiner Reise auch aufgefallen sein. Und v.a. war es nicht außergewöhnlich in Palästina und Israel in denen hunderte von Ausländern jeden Tag sich auf ähnlichen Pfaden bewegen. Und doch kokettiert Löw immer wieder mit der scheinbaren Gefahr und der angeblichen Ungewöhnlichkeit seines Abenteuers. Das nervt und hat nichts mit der Realität vor Ort zu tun.
Fazit: Wer mal in zwei Stunden ein bißchen was unideologisches zum Einstieg ins Thema lesen will, liegt hier richtig. Wer eine fachliche und kontextualisierte Beschreibung der Situation vor Ort erwartet, sollte zB zur Biographie von Sari Nussaibah greifen.