Ein sehr schönes Buch, das uns Gisela Elsner mit 'Heilig Blut' hinterlassen hat. Gleichsam mit monolithischer Gewalt schlägt es einen Krater in den Sumpf der allgegenwärtigen 'literarischen' Belanglosigkeiten, die zu meterhohen Werbetürmen aufgestapelt in den Buch-Discountern auf Laufkundschaft warten, und uns orientierungslos und gelangweilt immer wieder mit den selben Geschichten an den Rand des blitzartigen Tiefschlafs bringen.
Im Falle von Elsners Werk lohnt sich hingegen absolute Aufmerksamkeit. Drei Alt-Nazis nehmen auf ihren jährlichen Jagd-Urlaub in das kleine Kaff Heilig Blut im Bayerischen Wald diesmal auch den Sohn eines ihrer Gefährten mit, der selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein kann. Schon bald stellt sich heraus, welches Konfliktpotenzial die Konstellation zwischen den alten Herren einerseits und dem angeblichen Weichei und Kriegsdienstverweigerer andererseits bereithält.
Äußerst geschickt spielt Gislea Elsner bei der Umsetzung ihrer Geschichte mit Metaphern und Anspielungen, die den Nationalsozialismus, den Katholizismus, und in diesem Zusammenhang auch die Passionsgeschichte im Fokus haben. Es sei jedoch gesagt, dass der Roman - abgesehen von dieser metaphorischen Ebene - auch so äußerst faszinierend ist. Zum einen gefällt die überaus klare und schnörkellose Sprache, die - angemessen zur Beschreibung der winterlichen und verlassenen Gegend - mitunter als karg bezeichnet werden darf. Zum anderen zeichnet Elsner ihre Figuren mit gnadenlos harter Hand. Abgesehen vom generell etwas schwächlichen Sohn regieren Boshaftigkeit, Menschenverachtung und Besserwisserei. Aber auch die in der Gegend um den Ort Heilig Blut lebenden Menschen sind in ihrer Psychologie und Bigotterie so bitterböse beschrieben, dass das Lesen zu einem einzigen Vergnügen wird.
Zum Ende siegt zwar die Gemeinheit, aber auch der Leser gewinnt ein denkwürdiges Lesevergnügen!