Angst
Das Leben im Schlaraffenland: genug zu essen, warmes Klima, Faulenzen, keine Pflichten, sorgenloses und geborgenes Leben. Die Psychologie zog Vergleiche zum vorgeburtlichen Leben im Mutterleib. Durch die Geburt wird der Mensch aus diesem Schlaraffenland in die Welt gesetzt, die sich voller Gefahren befindet. Nach der Trennung von der Mutter entwickelt sich Angst, eine notwendige Angst. Ohne sie würde der Mensch in eine Scheinsicherheit verfallen.
Wird der Mensch nun mit den Anforderungen des Lebens nicht fertig, entwickelt sich eine übersteigerte Angst mit ihren Symptomen wie: Atembeschwerden, Beklemmungen, Schweißausbrüchen, Herzbeschleunigung und im Extremfall mit Orientierungsstörungen. Auf die verschiedenen Formen der Angst kann hier nicht eingegangen werden, lesen Sie bitte entsprechende Literatur oder wenden Sie sich an einen Fachmann (Arzt, Psychologe, Psychotherapeut).
Ein typisches Zeitzeichen für die Entstehung der Angst erlebe ich täglich in der Praxis. Immer mehr Menschen, insbesondere junge Menschen, erstreben die so viel propagierte Freiheit. Sie lösen sich von Bindungen wie Tradition, Ehe, Ordnung und Religion. Dieses Loslösen macht
nicht frei, sondern haltlos. Aus dieser Haltlosigkeit entsteht Angst.
Gehen Sie einmal eine Treppe hinauf bis zum zehnten Stock ohne Geländer (ohne Halt). Spätestens im zweiten Stockwerk entwickeln Sie eine Angst, die Sie hindern wird, weiter nach oben oder zurück zu gehen. Wenn Sie nun noch Postbote wären mit einer Eilzustellung (Leistungsdruck), gerieten Sie in Panik. Dieses Beispiel zeigt uns, dass wir einen Halt benötigen, sowohl in unserer Umwelt als auch in uns selbst.
Gott gibt uns diesen Halt, er reicht uns die Hand. Nehmen wir sie an.
Heilgebet
Gott, ich habe Angst,
das Gefühl von Geborgenheit und Selbstvertrauen
ist in mir erloschen.
Jeder Tag ist eine große Belastung für mich. Was habe ich falsch gemacht?
Reiche mir bitte deine Hand und führe mich aus diesem Zustand der Enge und Dunkelheit
wieder ans Licht.
Ich spüre immer deutlicher deine Nähe,
die mir Schutz und Halt gibt.
Meine Beschwerden wie Herzklopfen, Angstschweiß,
Zittern und Unruhe verlieren immer mehr an Wert,
mein Selbstvertrauen und mein Mut
wachsen wieder in mir wie ein Samenkorn im Boden,
das zu einer wunderschönen Blüte wird.
Dank deiner Hilfe werde ich all meine Probleme, die mich bewusst oder unbewusst einengen, lösen. Gegen die Mauer der Angst wächst die Mauer der Stärke, der Liebe und des Vertrauens. Gott, ich danke dir.
Angst kann man nicht verdrängen, sie ist ein Teil Ihrer selbst und ein sicheres Alarmzeichen für eine seelische Überforderung. Versuchen Sie diese Angst zu akzeptieren, sie als Partner zu sehen, ja zu lieben, eben weil sie Ihnen zeigt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Durch die Annahme dieses Partners verlieren Sie die Angst vor der Angst und damit sind Sie auf dem Weg der Gesundung.