Auf Markus Rothkranz bin ich vor einigen Monaten eher zufällig durch Youtube-Videos gestoßen, wo er mit inspirierenden, motivierenden Worten seine Form der Ernährung, der vollständigen Rohkost, anpries. Im festen Willen meine ohnehin schon seit einem halben Jahr andauernde vegane Ernährung weiter optimieren zu können, habe ich dann begierig auf die deutsche Buchausgabe gewartet, da mir $20 für eine PDF-Datei (von seiner Homepage) doch ein wenig zu happig waren.
Beim ersten Lesen hat mich das Buch sehr begeistert. Wie Rothkranz alles beschreibt und erklärt, klingt es sehr einleuchtend und furchtbar einfach in der Umsetzung. Das Problem ist aber das Gebiet, auf das er sich bei seiner Umstellung wagt. Herr Rothkranz ist nämlich ein Verfechter der Theorie, dass der Körper durch Fasten entgiftet werden und eine dauerhafte Reinigung nur durch regelmäßige Einläufe gewährleistet werden kann. Bei den Einläufen stimme ich ihm noch zu, jedoch ist Fasten ein viel zu heikles Thema, um es mal eben auf ca. 10 Buchseiten abzuhandeln wie etwas, dass man mal eben locker an ein paar Tagen durchzieht und auch keinerlei Probleme hervorruft. Mal davon abgesehen, dass an dieser "Entgiftungstheorie" ruhig gezweifelt werden kann (Leber und Niere sind eigentlich schon für die Entgiftung zuständig), erklärt Rothkranz auch nicht, wie untergewichtige Menschen (so wie ich) hierbei zu verfahren haben. Er geht davon aus, dass Menschen, die sich ihr Leben lang schlecht ernährt haben, zwangsläufig zu viele Pfunde auf den Rippen haben. Indirekt legt er somit selbst Untergewichtigen nahe ruhig einen Monat lang zu fasten, sofern sie krank sind. Solche Tipps können böse Konsequenzen haben.
Der Teil des Buches, der sich der reinen Ernährung widmet, ist einigermaßen fundiert geschrieben und man erkennt auch, dass der Mann viele Erfahrungen gesammelt hat und einen optimalen Ernährungsplan zusammengestellt hat. Ja, es stimmt, dass unsere Ernährung hauptsächlich aus Rohkost bestehen sollte und solche Dinge wie Fleisch, Milch und Getreide eher zu vermeiden sind, aber er beunruhigt den Leser regelrecht, dass seine Gesundheit sofort wieder auf der Kippe steht, sobald einmal wieder gekochte Nahrung auf dem Speiseplan stand. Die eher zweifelhafte Begründung? Angeblich sieht der Körper gekochte Nahrung als ein "Gift" an, dass er versucht möglichst schnell wieder hinaus zu befördern. Nach dieser Theorie müssten die meisten Menschen eher abmagern als stark zuzunehmen. Die Müdigkeit nach dem Essen rühmt nicht von Entgiftungen des Körpers, sondern von der (aufwändigen) Verdauung der Speisen, was man durch gutes Kauen aber bereits mindern kann.
Mein Hauptkritikpunkt an dem Buch sind die eher dürften und geradezu laienhaften Erklärungsversuche bestimmter biologischer Abläufe. Angeblich würden Parasiten durch das Ausbleiben von fetthaltigen, gekochten Speisen während des Fastens "wahnsinnig" werden und eben jene Speisen fordern, weil die Parasiten mit den Organen um die Lebensmittel "kämpfen" müssen. Das Buch ist voll von Sätzen dieser Art - leider findet man die biologisch sinnvoll klingenden Sätze fast ausschließlich nur im Ernährungspart. Weiterhin muss man Herrn Rothkranz ankreiden, dass er sich im Buch teilweise mit ganzen Absätzen ständig wiederholt und obendrein manche Stellen nur sehr kurz anschneidet. Zum Beispiel erklärt er seine eigene Fastenmethode lang und breit auf 10 Seiten, reißt aber im Kapitel "Parasiten" ebenfalls die Master-Cleanse-Fastenmethode in einem Satz an, ohne näher darauf einzugehen. Dies lässt den Leser im Unwissen zurück, welche Fastenmethode nun die sinnvollere ist. An einer anderen Stelle bemängelt er beim Vorgehen der meisten Rohköstlern, dass sie Lebensmittel schlecht kombinieren (z.B. Nüsse und Früchte), erklärt jedoch dafür aber nicht, was sinnvolle Kombinationen sind bzw. warum gerade diese Kombination schlecht ist.
Die wichtigen Erkenntnisse, die ich für mich aus diesem Buch ziehen konnte, fand ich neben dem guten Teil über Rohkosternährung in den hinteren Kapiteln, die über den Geist und Bewegung handeln. Auch hier sind die Erklärungsversuche wieder sehr unprofessionell, ergeben jedoch in meinen Augen durchaus Sinn und jeder sollte sich von den Tipps etwas annehmen. Es kann nie schaden mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen und nicht nur seinen Geist, sondern auch seinen Körper fit zu halten.
Für die Inspiration, die hilfreichen Hinweise und die Ernährungstipps würde ich dem Buch ohne zu zögern 5 Sterne geben, jedoch mindert die fehlende Professionalität an vielen Stellen den Gesamteindruck um einen Stern. Ich bin der Ansicht, dass jeder dieses Buch einmal gelesen haben sollte. Nicht unbedingt, um wirklich exakt das durchzuführen, was dort beschrieben steht, sondern um ins Grübeln über sein Leben, seine Essgewohnheiten und seine Gesundheit zu kommen.