... für alle, die vergessen oder verdrängen, dass Neonazis in Deutschland eben nicht immer an ihren Glatzen und Springerstiefeln zu erkennen sind, sondern oftmals freundlich über den Gartenzaun winken, die Kinder am Nachmittag im Sportverein betreuen oder Dorffeste ausrichten.
Die beiden Autoren liefern eine Bestandsaufnahme rechten Alltags in Deutschland und haben zu diesem Zweck repräsentative Beispiele ausgewählt, die das ganze Spektrum des alltäglichen Rechtsextremismus abbilden. Dieses reicht von der engagierten Hausfrau, die "mit Freundlichkeit und Elan für völkische Ideen wirbt" bis zu kruden UFO-Verschwörungstheoretikern (Wer erinnert sich nicht an die denkwürdige BILD-Überschrift "Ufo-Sekte will Hitler klonen"?). Dazwischen liegen Analysen von Grundstücksspekulanten, die die Preise für ihre maroden Gebäude in die Höhe treiben, weil sie das Gerücht lancieren, der mittlerweile verstorbene NPD-Anwalt Jürgen Rieger sei am Kauf des Objektes interessiert. Oder Beschreibungen über die Versuche der NPD, sich ein biederes Image zu verleihen und ihre Kameradschaften auf Linie zu bringen, in der Hoffnung, verzweifelte Wähler über ihr wahres Gesicht hinwegzutäuschen.
In einem Punkt muss ich meinem Vorrezensenten nach der Lektüre des Buches zustimmen. Das Buch bestätigt in der Tat bestehende Vorurteile. Aber das ist ja gerade gut: damit nimmt man ihnen den Charakter des Vorurteils und macht sie zu Fakten, die sich nachlesen und belegen lassen. Der braune Sumpf ist noch lange nicht trockengelegt und er ist vielfältiger, als viele zunächst glauben. Nur weil in den Nachrichten keine Molotowcocktails in Asylbewerberheime mehr fliegen heißt das nicht, dass es keine Neonazis mehr gibt. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag dazu, rechte Strukturen im Alltag zu erkennen und Phänomene wie etwa "Pro Köln" als das einzuordnen, was sie sind: rechter Alltag in Deutschland! Also: unbedingt lesen und Bescheid wissen...