Das vorliegende Werk von Rudolph Herzog beschäftigt sich mit dem Thema "Witze erzählen" und Kabarett, also im weitesten Sinne mit dem Thema Humor im Dritten Reich. In der Einleitung wird zunächst die Funktion von Witzen erläutert und was sie uns heute über die damalige Zeit verraten. Dabei kommt auch im Laufe der Lektüre des Buches heraus, dass bestimmte Dinge im Volk ganz anders gesehen wurden, als es weithin in vielen Geschichtsbüchern, Dokumentationen o.ä. dargestellt wird. Um ein Beispiel zu nennen: Hitler wurde gegen Ende des Krieges in Teilen des Volkes nicht mehr als ein unbesiegbarer "Übermensch" gesehen, sondern schlicht und einfach als "Schwein" (wie der Titel des Buches schon verrät), der die Hauptschuld am Kriege trägt. Dieses Buch ist also keine einfache Sammlung von Witzen aus jener Zeit, sondern sie sind in einen erklärenden, informativen Fliestext eingebaut.
Man wird allerdings nicht sofort in das Thema hineingeworfen. Nach besagter Einleitung gibt der Autor zunächst einen Überblick über den politischen Humor von der Antike bis zur Weimarer Republik. Im Anschluss wird die Phase der Machtergreifung näher beleuchtet. Herzog gelingt es dabei den Leser in jene Zeit aus Sicht des Volkes, d.h. des einfachen Mannes, zu versetzen. Deutlich wird, dass die neuen Machthaber nicht nur "kritisch" belächelt wurden, sondern auch, dass man ihnen noch offen misstraute (was die Witze in Bezug auf den Reichstagsbrand zeigen). Die Witze aus jener Zeit beantworten zudem eine oft, vor allem von der jüngeren Generation, gestellte Frage. "Wie viel wusste man vom Terror des NS-Regimes, von den Konzentrationslagern, im Volk?" Hätte man nichts gewusst, so wäre davon auch nichts in den "Flüsterwitzen" erzählt worden, so die simple, aber logische Antwort.
Doch werden hier nicht nur die politischen Flüsterwitze behandelt, sondern auch das Leben bekannter Persönlichkeiten des Kabarett-Theaters, wie Kurt Gerron, Karl Valentin oder Werner Finck. Besonderes Gewicht wird auch auf die Darstellung ihrer Leidenswege gelegt, die oft im KZ endeten.
Daneben bleibt aber auch der Film nicht unerwähnt, der ja von der nationalsozialistischen Seite bewusst heiter gehalten wurde um die Menschen mit versteckter Propaganda zu indoktrinieren und sie später vom Kriegsalltag abzulenken. Insgesamt ist der "Propagandakrieg" ausführlich behandelt, sowohl von alliierter (z.B. Chaplins "Der große Diktator"), wie von nationalsozialistischer Seite aus. Hier geht es dem Autor R. Herzog auch darum, die Frage zu beantworten, ob es gefährlich war, Witze über Hitler und die NS-Führungsriege zu erzählen. Diese beantwortet er schon zu Beginn des Buches mit einem klaren Nein und grenzt sich damit von der vor allem in der Nachkriegszeit vielfach aufgestellten Behauptung ab, das Erzählen derartiger Witze sei mitunter "tödlich" gewesen. Dennoch nennt er einige der wenigen Ausnahmen bei denen Todesurteile verhängt wurden, besonders nach der Kriegswende (also spätestens seit Stalingrad). Diese dienten allerdings mehr dazu einen Vorwand zu haben um missliebige, oft geistliche, Personen zu liquidieren.
Schließlich widmet sich Herzog noch dem schwierigen Thema des "jüdischen Witzes", der einem sehr drastisch die Lage der Juden vor Augen führt. Denn jene oft sehr makaberen Witze wurden von Juden selbst im KZ erzählt, um der Situation, in der sie steckten, etwas den Schrecken zu nehmen.
Den Abschluss bildet eine Betrachtung der Zeit nach 1945 bis heute, in der berühmte Filme und Comics über Hitler und das NS-Regime unter die Lupe genommen werden (u.a. auch R. Benignis "Das Leben ist schön"). Die Ausgangsfrage ob man über Hitler lachen darf wird mit Ja und dem stimmigen Argument beantwortet, dass man ihn dadurch jeglicher Dämonisierung beraubt und letztlich seine Banalität darunter zum Vorschein kommt.
Der Schreibstil des Buches ist sehr verständlich gehalten, es liest sich sehr flüssig. Historische Hintergrundinfos liefert R. Herzog ohne dabei die Dinge unnötig zu verkomplizieren. Hierbei sind ihm nur zwei kleine Fehler unterlaufen: Die Gebrüder Sass waren nicht die Anführer einer berüchtigten Verbrecherbande, sondern die beiden selbst bildeten das berühmt-berüchtigte Verbrecher-Duo. Auch ist Georg Elser kein Münchner, er zog nur nach München um sein Bombenattentat auf Hitler vorzubereiten und durchzuführen. Was auch in einigen Vorrezensionen Anklang fand war der "moralische Zeigefinger". Dazu kann ich nur sagen, dass Herzog es damit eigentlich nicht übertreibt. Sicherlich wirken Begriffe wie "dämonisch" oder "teuflisch" manchmal etwas überzogen, doch kann ich seine Intention prinzipiell verstehen, deutlich zu machen auf welcher Seite er steht - wahrscheinlich wollte er es tunlichst vermeiden, dass ihm vorgeworfen wird, er bagatellisiere den NS und den Holocaust (gerade durch die Judenwitze). Allzu sehr stört das aber nicht, da jene Begriffe sowieso nur an einigen Stellen auftauchen. Erwähnen sollte man im Übrigen noch, dass Herzog mit Zeitzeugen gesprochen hat, die seine Arbeit sicher bereichert haben.
Insgesamt also eine sehr schöne Darstellung zum Thema Humor im Dritten Reich. Das einzige was mir fehlt ist eine Betrachtung zu den Witzen, die man sich heute von Hitler und dem Dritten Reich erzählt.