Dem Autorenteam ist ein interessantes und anregendes Buch gelungen. Ein Buch, das herausfordert, über Änderungen im eigenen Gemeindeverständnis nachzudenken. Es geht darum, dass Jesus Christus das Haupt seiner Gemeinde ist und dass jeder Gläubige ein Priester, ein geistlicher und damit volles Mitglied im Haus Gottes ist.
Dieses Buch kritisiert die institutionalisierte Kirche, die viele Traditionen (oft nicht christlichen Ursprungs) übernommen hat und sich dessen oft gar nicht bewusst ist. In Korrespondenz zum Buch Urgemeinde"(wo Viola auch Co-Autor ist) wünschen sich die Verfasser eine organische Gemeinde, vom Herrn selbst geleitet und ohne Hierarchie und mit offenen Treffen, wo jeder sich einbringt.
Und wird alles durchgegangen und an Hand der Bibel geprüft: Die Kirchenbauten, der Gottesdienst, der Gesang, das Amtsverständnis, die Predigt, die Überlastung der Pastoren durch zu hohe Ansprüche, die Sonntagskleidung, die Taufe, das Abendmahl. Alles das wird an Hand der Bibel in Frage gestellt. Gleichzeitig wird aber auch gesagt: Die Autoren wollen niemand in ihren Überzeugungen bedrohen und halten sich nicht für unfehlbar (S. 184).
Wie gesagt, ich finde das Buch anregend zur eigenen Reflexion. Richtig ist zum Beispiel auch, dass Bibelverse nicht aus dem Kontext herausgerissen werden sollen, um dann gepredigt zu werden. Gerade dieses interessante Kapitel zeigt für mich aber keine wirkliche Alternative. Vielleicht wird das in einem Folgebuch einmal genauer erklärt, ich würde das gerne wissen
Dieses Buch ist zwar-laut eigenem Bekunden- nicht für Akademiker geschrieben, es enthält aber eine lange Literaturliste und jede Menge Fussnoten. Sehr dienlich sind auch die Vertiefungen am jeweiligen Ende der Kapitel und die Generalzusammenfassung am Schluss des Buches.