Heidi Kabel
Sag ja zum Leben
von Jan Hinnerk Mahler, Carsten Wittmaack
mit zahlreichen bislang unveröffentlichten Privatfotos
gebunden mit Schutzumschlag
300 Seiten, 14 x 21,2 cm,
erschienen 2004 im Militzke Verlag, Leipzig
Neben dem Kölner Urgestein Willy Millowitsch, gehört Heidi Kabel unzweifelhaft zu den größten Künstlern der deutschsprachigen Volksbühnen. Die knorrige Hamburgerin ist stets sie selbst geblieben und vermied es sich des Erfolgs wegen anzubiedern oder unterzuordnen. Diese Eigenschaften verbinden sie mit der unlängst verstorbenen Inge Meysel. Im Vergleich zur so genannten "Mutter der Nation", gelang es Heidi Kabel jedoch von der überwiegenden Anzahl deutscher Theater- und Fernsehzuschauer nicht nur respektiert, sondern auch geliebt zu werden. Da "die Kabel" am 27. August 2004 ihren neunzigsten Geburtstag feiern wird, gibt die im Militzke-Verlag (Leipzig) erschienene Biographie hinreichend Gelegenheit, die Ursprünge und Erfolgsrezepte der Schauspielerin kennen zu lernen.
Das Buch hat ihr Enkel Jan Hinnerk Mahler zusammen mit dem Journalisten Carsten Wittmaack verfasst, was naturgemäß zu einer recht subjektiven Sicht auf die Dinge führen kann. Andererseits ist wohl nur auf diese Weise ein Einblick in die innersten Kreise der familiären Geschehnisse der letzten Jahrzehnte möglich. Da bekannt ist, wie wichtig Heidi Kabel der enge Kontakt zur Familie stets war, konnte es auch nur so gelingen, viele bislang unveröffentlichte Fotos aus den privaten Familienarchiv zu veröffentlichen.
Das Buch skizziert den gesamten Lebensweg der "Hamburger Deern" und lässt Heidi Kabel häufig mit Anekdoten, Einschätzungen und Zitaten selbst zu Wort kommen. Wir erfahren, warum Heidi Kabel zunächst auf Wunsch der Mutter hin Pianistin werden sollte, wie sie 1932 zum Vorsprechen an der Niederdeutschen Bühne erschien (dem Vorgänger des Ohnsorg-Theaters) und sich so der berufliche und private Lebensweg verfestigte. Ihren späteren Mann, den Schauspieler und Leiter des Ohnsorg-Theaters Hans Mahler, lernt sie hier kennen und lieben. Da Buch spart auch nicht die Jahre des Nationalsozialismus aus, die kritisch reflektiert werden. Hauptteil der Biographie ist jedoch zurecht das Bühnenleben der Kabel. Dass sie hierbei keine schmutzige Wäsche ausbreitet und Kollegen ungeschoren lässt, spricht für ihre hamburgische Weltläufigkeit und Toleranz. Gewürdigt werden auch die TV-Erfolge, so in Fernsehserien wie "Heidi und Erni" in den 70ern.
Die Urhamburgerin beschreibt in dem gelungenen Buch ihre fantastische Schauspiel- und Lebensgeschichte. Authentisch, frisch-fröhlich und umfassend erhält der Leser einen tiefen Einblick in die Seele der Künstlerin und ihre ehrliche und bescheidene Art wird glaubwürdig nahe gebracht. Diese ließ sie schon zu Lebzeiten zur echten Volksschauspielheldin werden, auch weit über die norddeutschen Grenzen hinaus. Stets fasziniert Kabels offene Sicht auf die Dinge und ihre Treue zu Theater, Stadt und Familie. Der Blick auf Vorbilder, Schauspielkollegen, Ehejahre, Glück und Unglück in der Familie und die Rolle als verantwortungsvolles Oberhaupt sowie ihre weitgehend unbekanntes soziale Ader für wohltätige Zwecke geben ein rundes Bild ab. Heidi Kabel steht seit jeher als Synonym der fleißigen und ehrlichen Deutschen der 50er und 60er Jahre, was ihr durchaus auch Kritik einbrachte. Den Autoren gelingt die Symbiose aus kritischer Distanz und Begeisterung. Entstanden ist ein spannendes und zeitgeschichtliches Dokument norddeutscher Theatergeschichte.