Ein tschechisches Spiel? Nunja - für ihre alten Zeichentrick- und Märchenfilme sind sie berühmt, ebenso für Puppenspielereien und Pan Tau (sowie für gutes Bier). Aber Gesellschaftsspiele? Davon hatte ich noch nie etwas gehört... Und dann gleich eines mit "Wow-Effekt"!
Mit Galaxy-Trucker hat der CGE-Verlag (Czech Games Edition) ein großartiges, gut durchdachtes und vor allem spielerisch sehr abwechslungsreiches Spiel vorgelegt.
Am Besten, man beginnt mit dem Probespiel, das bis ins Kleinste in der liebevoll aufgemachten Spielanleitung erklärt wird:
Als erstes aus Schrottteilen ein Raumschiff zusammenbauen - und immer daran denken, ausreichend Energie, Lagerkapazität, Mannschaftsräume, Antrieb, Verteidigung, Schilde usw. zu bauen. Nicht einfach, weil erstens der Platz auf den Spielfeldern beschränkt ist und zweites weil alle Mitspieler gleichzeitig losbauen dürfen. Die Regeln für den Bau der Raumschiffe sind einfach (immer darauf achten, dass die Anschlussstutzen passen), aber tricky (denn in den seltensten Fällen erhält man genau den Anschluss, den man gerade benötigt).
Wenn die Schiffe fertig sind, geht's auf große Fahrt durchs All. Doch nicht nur Planeten, mit denen Handel getrieben werden kann, warten auf die Astronauten. Schmuggler, Piraten, verlassene Raumschiffe, und Saboteure bringen die Raumschiffkapitäne schnell zur (gewollten) Verzweiflung, denn bei jedem Treffer können Teile aus der Schiffshülle herausgesprengt werden, was die gesamte Integrität beschädigen kann. Und dann heißt's: Gut taktieren (Steige ich aus? Wohin verschiebe ich meine Fracht? Behalte ich meine Mannschaft in voller Stärke?). Würfel bringen einen ausreichenden Zufallsmoment ins Spiel, ebenso die Ereigniskarten.
Durch die unterschiedlichen Spielelemente (Aufbauspiel, Taktik, Glück) und das komplexe, aber leicht nachvollziehbare Wertungssystem wird das Spiel zu keiner Zeit langweilig, denn man hat immer etwas zu tun - vor allem, kosmische Credits zu verdienen, denn wer am Ende am meisten Geld hat, ist wie im richtigen Leben Sieger ;-)
Liebevolle Details machen das Spiel in meinen Augen zum Spiel des Jahres 2008: Nicht nur die Ausgestaltung der Mannschaftsfigürchen, Aliens und Schiffsmodelle aus Kunststoff, sondern auch die grünen Energiesteine aus Glas und der aliengrüne Sand in der Sanduhr zeigen, dass hier jemand mit Sinn für die Kleinigkeiten am Werk war. Ein anderes Beispiel: Die einzelnen Raumschiffbausteine bestehen aus quadratischen Plättchen, die auf der Rückseite schwarz eingefärbt sind (damit man sie verdeckt auslegen kann). Alle Bausteine? Nein! Die vier Startplättchen (für jeden Spieler eines) sind beidseitig bedruckt, so dass man sie sehr schnell aus dem großen Haufen der anderen Bauteile herausfindet.
Sowohl im Duett als auch im Mehrspielermodus kann das Spiel gespielt werden, ohne dass der Spaß darunter leidet.
Zusammenfassung: Allen, die sofort anfangen, sich amüsieren, wenn sie die Zahl '42' hören oder lesen, können bei diesem Spiel bedenkenlos zugreifen (auch wenn der Preis nicht gerade niedrig ist - aber die Qualität des Spiels ist es wert).
Wer bei '42' fragt "Häh?", der möge bitte Douglas Adams lesen.
Und den zwei oder drei Menschen auf diesem Planeten, die bei '42' sagen "Uäääh!", ist sowieso nicht mehr zu helfen.