Westeros ' so lautet der Name des Kontinents auf dem die Fantasy-Saga Ein Lied von Eis und Feuer spielt. In diesem Epos geht es weniger um Orks, Trolle und das ganze übliche Fantasy-Klischee, sondern um die Intrigen, Kämpfe und politischen Wirrungen der großen sieben Häuser Westeros, von denen jedes um die Vorherrschaft kämpft. In den Büchern nehmen die Intrigen, persönlichen Beziehungen und die Politik einen großen Stellenwert. Diesen Themen nimmt sich ein anderes Brettspiel, Der Eiserne Thron, an. In die Schlachten von Westeros geht es ' der Name lässt es erahnen ' um die militärischen Scharmützel zwischen den Häusern.
Worum gehts?
Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Feldherren zweier Armeen die sich auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen. Es geht meistens nicht direkt darum den Gegner auszulöschen, sondern wichtige militärische Positionen zu erobern bzw. zu halten. Das beiliegende Szenarioheft bietet 10 Szenarien, weitere findet man entweder im Internet oder man kauft sich eine der ständig nachgelieferten Erweiterungen.
Ausstattung & Aufbau
Das Spiel kommt von Fantasy Flight Games, was in der Regel ein Garant für eine oppulente Ausstattung ist. So auch bei diesem Spiel. Man bekommt zahlreiche liebevoll detaillierte Miniaturfiguren die geradezu zum Bemalen einladen. Das Spielbrett ist relativ groß und doppelseitig bedruckt. Wie in solchen Spielen üblich besteht es im wesentlichen aus Hexfeldern, die normales Terrain zeigen. Dazu gibt es zahlreiche Geländeplättchen, die man entsprechend den Vorgaben im Szenarioheft auf das Spielbrett legen kann, um immer wieder eine neue Landschaft zu erschaffen. Diese Landschaften zeigen dann Hügel, Wälder, Häuser, Flussläufe, Brücken, Furten, und vieles andere. Dazu gibt es noch Marker für ausgebrochene Feuer, zerstörte Häuser, und jede Menge anderem Kleinkram. Sprich man bekommt wirklich viel für sein Geld.
Diese Fülle von Materialen bringt aber leider auch einen sehr großen Nachteil mit sich dass das Auf- und Abbauen relativ lange dauert. Im Prinzip benötigt man wirklich viele, viele relativ kleine Zipbeutel in die man alles einsortiert, aber selbst dann muss man locker 30 Minuten zusätzlich zur reinen Spielzeit einplanen. Bei den ersten Partien sicher noch mehr. Der Rang und Status einer Einheit wird durch kleine Fähnchen symobilisiert. Diese muss man vor jeder Partie neu zusammenbauen und an die entsprechenden Einheiten stecken. Das dauert alles und nervt ziemlich. Aber nun gut wenn man dafür mit einem guten Spiel belohnt wird, nimmt man das vlt. gerne in Kauf.
Spielablauf
Das Spiel kommt relativ schnell zur Sache. Die meisten Szenarien sind so aufgebaut das es schon in der ersten Runde zu Kämpfen kommt. Das Spiel ist ja gewissermaßen eine Neuauflage von Battlelore. Bei dem Spiel hat man mich die Dreiteilung der Karte ziemlich genervt und hat auch dazu geführt das es ich es wieder verkauft habe. Man konnte nur dann Einheiten aus einem bestimmten Bereich der Karte aktivieren, wenn man die Karte für den Bereich auf der Hand hat. Hatte man zwei Runden in Folge keine Abschnitt A Karte, waren die Einheiten dort einfach inaktiv. Solche Probleme hat Westeros zum Glück nicht, man ist relativ frei welche Einheiten man benutzen möchte. Zwar gibt es auch hier kleine Einschränkungen, wenn man aber geschickt plant kann man in der Regel alle Einheiten in einer Runde aktivieren die man benutzen möchte.
Jeder Spieler verführt über Anführer, je nach Szenario unterschiedlich viele, welche über mächte Sonderfähigkeiten verfügen. Außerdem stehen jedem Spieler eine gewisse Anzahl Kommandokarten zur Verfügung, auch diese geben einem mächtige Fähigkeiten, allerdings gelten diese nur für Einheiten im Kommandobereich eines Anführers. Außerdem kann man nicht unbegrenzt viele Kommandokarten mit einem Anführer aktivieren.
Kämpfe werden ausgewürfelt. Das ist natürlich für Leute die mit Würfeln nichts anfangen können eher negativ, aber in der Regel gleichen sich die Würfe über das ganze Spiel gesehen aus. Außerdem liefert das Spiel diverse taktische Möglichkeiten, etwa Flankenangriffe, um das Würfelglück etwas zu seinen Gunsten beeinflussen. Natürlich gibt es noch deutlich mehr Regeln, aber die möchte ich hier nicht komplett zusammenfassen. Zu den Regeln an sich sei gesagt das sie zwar lang, aber einfach auch sehr ausführlich sind und keine Fragen offen lassen. Die meisten Sachen sind sehr logisch und eigentlich selbsterklärend, werden aber der Form halber erwähnt. Die tatsächlichen Regeln die man zum Spielen braucht sind sehr einfach und wer einmal ein Spiel aus diesem Genre gespielt hat findet schnell den Einstieg.
Meinung
Ich bin eigentlich auch kein großer Fan von Würfelspielen, allerdings hat es mich in diesem Spiel eigentlich nie gestört. Und bisher waren eigentlich alle gespielten Partien relativ knapp. Durch die Würfel kann es oftmals so aussehen das eine Partie schon direkt zu Anfang kippt. In der Regel kippt die Partie aber dann irgendwann noch einmal, so dass es oft erst in der letzten Runde zu einer Entscheidung kommt. Im Grunde ist dieses Spiel genau was mir Spiele wie Battlelore und Memoir '44 bisher nicht boten konnten: Ein relativ kurzes Kampfspiel für zwei Spieler bei dem ich selbst genug Entscheidungsfreiheiten habe um meine Geschicke zu lenken. Auch ist es schön kurz, andere Schlachtspiele wie Axis & Allies oder Tide of Iron dauern viel, viel, viel zu lange. Wenn dieses Spiel nicht so eine ewig lange Aufbauzeit hätte, wäre es eigentlich meiner Meinung nach perfekt für alle die einfach mal 1-2 Stunden zusammensitzen und sich Gegenseitig aufmischen wollen