Dies ist nunmehr die sechste(!) Erweiterung für das Brettspiel "Arkham Horror", diesmal dreht sich der Mythos um die Stadt Innsmouth und die dunklen Geheimnisse, die ihre Einwohner mit den "Nachbarn" aus dem Meer verbinden - das Geheimnis von Wohlstand und Wahnsinn!
Wie auch die 2. und 4. Expansion (Dunwich, Kingsport) bietet Innsmouth ein zusätzliches Spielbrett, das den Ermittlern eine erweiterte Spielwiese eröffnet. Der literarische Schauplatz ist - wie bei allen anderen Erweiterungen auch - detailverliebt eingefangen und in Spielmechanismen überführt worden.
Allerdings fällt der Ausbau gegenüber den früheren Expansions nicht ganz so "extrem" aus. Es gibt neue Ermittler, Große Alte, und ein paar Regelergänzungen, aber keine neuen Sprüche oder Gegenstände. Dies macht das Hantieren mit dieser Erweiterung einfacher als bisher (das Ein- und Aussortieren in nahezu allen Kartendecks kann schon nerven...). Auch der Zwang, bestimmte Ermittler eigentlich nur mit der dazugehörigen Expansion spielen zu können, ist hier nicht gegeben. Back to the roots, sozusagen, und m. E. kein verkehrter Schritt.
Andererseits kommt einem der Inhalt im Vergleich zu den früheren Erweiterung relativ "harmlos" vor - die Ermittler sind meistenteils recht "normal", bis auf ein, zwei Ausnahmen, wie z. B. die Spionin, die keinen Fokus hat, sondern jede Runde Ihre Skill-Marker ganz nach links rückt und dann diese neu für insgesamt 5 Rasten nach rechts setzen kann.
Auch die Großen Alten wirken auf den ersten Blick nicht spektakulär, aber bei diesen lauert die Gefahr im Detail. Doch es läuft bei einigen Gegnern für meinen Geschmack auf zuviel Zufall hinaus:
- Ghatanothoa etwa sorgt mit seinem grausigen Anblick für quasi zufällig verschlungene Ermittler. Etwas zu viel Lotto...
- Quachil Uttaus sorgt mit seiner tödlichen Macht (und einem eigenen Karten-Deck) für eine Art Schwarzer-Peter-Spiel unter den Spielern, an dessem Ende ebenfalls das Verschlingen steht. Na ja.
Weitere Mechanismen umfassen zwei Skalen auf dem neuen Spielbrett, die einerseits den Überfall der Tiefen Wesen (und damit das frühzeitige Erwachen des Großen Alten) sowie dessen Verhinderung durch Ermittleraktivitäten auf dem neuen Spielplan gegeneinander abwägen. Dies funktioniert ganz gut und zwingt die Spieler sich auf dem neuen Plan zu bewegen und Begegnungen zu absolvieren, um die Balance zu halten. Da ist durchaus Teamwork gefragt.
Als weiterer Gimmick kommt die Ahnenforschung ins Spiel! Denn niemand weiß natürlich so genau, ob die Ermittler nicht doch Vorfahren in Innsmouth hatten - und sie deshalb latent den Innsmouth-Blick und damit den Mythos in sich tragen! Ein eigenes Deck, das bei bestimmten Ereignissen ins Spiel kommt, kann hier zur Klärung beitragen. Und ehe man sich versieht verspürt der Ermittler eine große Sehnsucht nach dem Meer und träumt von non-euklidischen Ruinen...
Ferner kommen optional sog. "Persönliche Missionen" für alle bisgerigen Ermittler (also auch für das Basisspiel) ins Spiel. Diese funktionieren ähnlich den schon bekannten "Tasks" und "Missions". Es sind aber keine Gegenstände, sondern von Spielbeginn an an die jeweilige Figur gebundene Bedingungen und Aufgaben, die im weiteren Spielverlauf durch Erfüllen oder Scheitern Boni oder Mali bedeuten. Nett, kann man machen, aber m. E. bleibt dafür in der typischen Mangelverwaltung auf dem Brett kaum Zeit.
Spezielle Begegnungskarten für Arkham und die Anderen Welten runden das Paket ab, ebenso wie eine Menge neuer (oftmals wassergebundener) Monster.
Mein Fazit: auf den ersten Blick und im Vergleich zu den früheren Expansions ein etwas nüchtern wirkendes Zusatzpaket. Aber ich würde Innsmouth durchaus als erste Erweiterung nach dem Basisspiel empfehlen, weil sich Regeln und Inhalte nicht so stark vom Original entfernen bzw. sich das Niveau nicht so drastisch erhöht wie durch die beiden früheren Brett-Expansions, deren Mechanismen teilweise sehr kompliziert zu händeln sind und den Druck auf die Ermittler stark erhöhen.
Innsmouth ist hier nicht so dramatisch, auch wenn es immer noch erfahrene Spieler braucht, um die neuen Herausforderungen und "Baustellen" erfolgreich zu managen.
Insofern ist Innsmouth für mich eine gutes "Kann", definitiv kein "Muss". Eine solide Ergänzung!
Und nun einen Rollmops...