Aus einer Artikelserie der örtlichen Tageszeitung entstand dieses orginelle Heidelberg-Buch: 77 mehr oder minder bekannte Heidelberger schreiben über ihren Lieblingsplatz. Auf diese Weise entstand eine anregende und amüsante Sammlung von kurzen Aufsätzen über interessante Örtlichkeiten in Heidelberg und Umgebung. Die Unterschiedlichkeit der Autoren bürgt für die Unterschiedlichkeit der beschriebenen Orte: Von Cafés und Kneipen über Theater und Kirchen bis hin zu Plätzen und Burgen ist alles vertreten, ein Astronom ließ es sich nicht nehmen, selbst einen nach Heidelberg benannten Asteroiden zu porträtieren.
Dabei ist das Niveau der Beiträge, wie nicht anders zu erwarten, sehr unterschiedlich: Der Schriftsteller und intime Heidelberg-Kenner Michael Buselmeier etwa liefert ein kleines literarisches Kabinettstückchen (über den Bergfriedhof) ab, auch andere Künstler und Intellektuelle sind mit anspruchsvollen Texten vertreten. Dagegen kommen die Texte der unvermeidlichen Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft überwiegend eher unbeholfen daher. Dem "Professor aus Heidelberg" und ehemaligen Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof etwa ist seine eigene Intelligenz im Weg, wenn er seinen Beitrag über einen Wald-Wanderweg allzu sinnreich und belehrend mit Ausführungen über Bürgerfreiheit überfrachtet. Mit gekonnter Routine nehmen sich demgegenüber die zahlreich vertretenen Redakteure der Lokalzeitung, von der ja die Initiative zu dem Buch ausging, ihrer Themen an, auch wenn etwa der Artikel über ein Kinderzimmer nicht den geringsten Heidelberg-Bezug hat.
Alles in allem: Das Buch ist nicht gerade unentbehrlich, lädt aber zum Schmökern ein und vermittelt auch dem Heidelberg-Kenner noch die ein oder andere Anregung.