Um es gleich vorweg zu sagen: Seinen Zweck als Reisebegleiter und -führer erfüllt dieses Buch in mustergültiger Weise. Handlich, kompakt, informativ und preiswert bietet das Büchlein (fast) alles, was der Heidelberg-Besucher wissen muss oder zumindest wissen sollte.
Den Anfang machen Vorschläge zu Unterkünften, Gaststätten und Einkaufsmöglichkeiten, Veranstaltungshinweise und ähnliches, die allesamt solide sind, wenn ihnen auch unweigerlich ein Hauch von Willkür anhaftet. Vollständigkeit ist nicht zu erreichen, und da fragt man sich schon, nach welchen Kriterien die Auswahl vorgenommen wurde. Aber Fehlgriffe oder eklatante Lücken sind jedenfalls nicht zu konstatieren. Den Hauptteil bildet eine Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, die (zumindest was die Altstadt angeht) nahezu komplett ist und alles Wissenswerte enthält. Auch über die Grenzen der (von den Touristen vorwiegend besuchten Altstadt) greift die Beschreibung aus und schildert das Wesentliche in den (teilweise sehr alten) später eingemeindeten Vororten. Dass die Darstellung eher knapp ist, liegt an der vorgegebenen Konzeption des Buches und sollte ihm daher nicht vorgeworfen werden. Sehr lobenswert ist übrigens die erschöpfende Abhandlung der erstaunlich vielen Museen in Heidelberg. Auch die Ausflugstipps, praktischen Hinweise und weiterführende Informationen (Stadtgeschichte, Literaturtipps etc.) am Schluss des Buches sind für den Besucher sicher hilfreich. Als kleines "Extra" enthält das Buch Hinweise zum "Grünen Heidelberg" (grün im Sinne von ökologisch, umweltfreundlich) und Tipps für einen Heidelberg-Besuch mit Kindern.
Meines Erachtens wäre es allerdings durchaus angebracht, den ganzen praktischen Teil zu straffen (insoweit kann sich der Besucher mühelos im Internet oder vor Ort bei der Tourist-Information kundig machen) und auf wirklich Heidelberg-Spezifisches zu beschränken und die Beschreibung der Stadt selbst ausführlicher zu gestalten. Etwa zum Schloss hätte ich mir angesichts dessen überragender Bedeutung eine ausführlichere Abhandlung gewünscht. Aber insoweit unterliegt das Buch sicher Vorgaben, es muss ja auch in die Reihe passen, in der es erscheint. Daher ist es wahrscheinlich auch nutzlos, die modische Vorgabe von "Top Tens" und speziellen Tipps zu kritisieren. Ich tue es trotzdem: Das Schloss, die Alte Brücke und die Kornmarktmadonna wird wahrscheinlich jeder Tourist auch ohne Empfehlung seines Reiseführers finden. Und ob man "Hassbecker's [sic!] Galerie und Buchladen" für empfehlenswerter hält als das Kurpfälzische Museum, und ob man lieber die Bergbahn als die Jesuitenkirche besuchen möchte, sollte man eigentlich ohne bevormundende Hervorhebungen dem Leser überlassen.
Das Buch ist ansprechend gestaltet und gut bebildert. Besonders lobenswert ist das gute Kartenmaterial, das dem Buch beigegeben ist.
Irren ist menschlich, und so enthält dieses Buch leider auch (leicht vermeidbare) Fehler. Der dem Königstuhl auf der anderen Neckarseite gegenüberliegende Berg heißt nicht Michaelsberg, sondern Heiligenberg (auf welchem sich die Ruine eines mittelalterlichen Michaelsklosters befindet, was den Irrtum das Autos erklären mag). In der barocken ehemaligen Hofapotheke am Marktplatz befindet sich schon seit Jahren nicht mehr McDonalds, sondern ein Geschäft mit Angeboten für koreanische Touristen (was noch viel störender wirkt als die frühere McDonalds-Filiale). Im Schwetzinger Schlosspark befinden sich auch keine russischen Bauten (wie der Autor darauf kommt, ist unerfindlich), sondern neben einer spätbarock-klassizistischen Moschee ausschließlich Bauten in der Formensprache der klassischen Antike. Auch dass sich in der Konzeption des wunderbaren Schwetzinger Schlossparks "Sonnenrad und Lebensbaum" finden lassen soll, ist wohl nirgends belegt und auf Grund der Entstehungsgeschichte des Parks auch sehr unwahrscheinlich.
Aber alles im allem handelt es sich um einen ebenso schönen wie nützlichen Reiseführer.