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Heißester Sommer: Erzählungen
 
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Heißester Sommer: Erzählungen [Taschenbuch]

Zsuzsa Bánk
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Für ihren Debütroman Der Schwimmer hat Zsuzsa Bank viel Beifall bekommen, gelobt wurde vor allem die Atmosphäre, der Rhythmus und dieser melancholische Ton, der einen in Bann zieht. All das findet sich auch in den 12 Erzählungen ihres zweiten Buches. Und natürlich auch diese langen, geschwungenen Zsuzsa Bank-Sätze, wie dieser erste aus der Kurzgeschichte "Unter Hunden", für die sie den angesehenen Bettina-von-Arnim-Preis erhielt: "In einem Haus lebten wir, einem Haus mit roter Fassade, mit fünf oder sechs Stockwerken, Familien über uns, unter uns, übers Haus verteilt, mit ihren Kindern, hinter jeder Tür drei oder vier, mit ihren Großeltern, die an den Fenstern standen, um hinauszusehen auf die Autobahn, auf Strommasten und die wenigen Wege, die hinaus aus dieser Siedlung führten."

"Unter Hunden" ist eine der wenigen Geschichten, in der die Figuren nicht unterwegs sind. Bei Zsuzsa Bank wird viel gereist, London, Italien, Australien, Nordamerika, manchmal auch in die alte Heimat wie in "Weihnachtswald", wo sich zwei Freundinnen treffen, wie jedes Jahr, mehr aus Gewohnheit, eigentlich ist die Freundschaft nur noch ein Ritual. Ob und wie es weitergeht, bleibt in der Schwebe. Auch das ist typisch für die in Frankfurt am Main geborene, ungarischstämmige Autorin und erinnert wie noch so einiges an dieser Prosa an Judith Hermann, die mit ihren Erzählungen in den letzten Jahren ein so großes Publikum fand.

Ob Zsuzsa Bank den Erfolg des Romans mit ihren Erzählungen wiederholen wird können, bleibt allerdings fraglich. Einerseits könnte diese gepflegte Melancholie à la Judith Hermann schon wieder etwas aus der Mode sein. Anderseits ist dieses In-der-Schwebe-lassen in einigen Geschichten so intensiv, dass unklar bleibt, wovon hier eigentlich erzählt wird. Was für eine großartige Erzählerin Zsuzsa Bank sein kann, beweist sie aber auch in einigen Texten. Insofern bleibt sie eine der interessanten neuen Stimmen der deutschsprachigen Literatur, von der man noch hören wird. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

kulturnews.de

Kinder ziehen fort. Beziehungen gehen in die Brüche. Man spürt, dass man einem alten Freund nur noch wenig zu sagen hat. Zuzsa Banks Erzählungen haben eigentlich nur ein Thema: Abschied, mal als schmerzhafter Schnitt, mal als trauriges, hilfloses Auseinanderleben. Das gibt „Heißester Sommer" einen Zug ins Gleichförmige, auch ins …de: Wenn man beim ersten Zusammentreffen zweier Menschen sofort spürt, dass diesen nicht mehr widerfahren wird als die baldige Trennung, dann interessiert man sich eigentlich auch nicht so recht für sie. Andererseits kommt Bank auf diesem Weg immer wieder zu einer Sprache der Sprachlosigkeit, gelingt ihr, das Verstummen ihrer Figuren mit dem Verstummen des Textes zusammenfallen zu lassen. Der feste Partner eines alten Freundes wird in der Erzählung „Unter Hunden" so beschrieben: „Man kann nicht sagen, dass wir Tim nicht mochten. Er hatte etwas Rührendes. Wir wollten nur, dass er wieder ging." Und das ist dann so bitter, dass man den Bettina-von-Arnim-Preis für „Unter Hunden" sofort gerechtfertigt findet, auch wenn der gesamte Band dieses Niveau nicht durchgängig hält. (fis) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Etwas ist zu Ende: eine Freundschaft, eine alte Liebe, eine Kindheit in der Vorstadt, eine Reise ans Meer, ein ganzes Leben. Etwas hat sich verschoben, unmerklich, und alles geht weiter, nichts wie es war. Zsuzsa Bánk erzählt von Menschen, die eines Tages einfach die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen. Von Larry, dem koksenden Dreizentnermann, der Gedichte schreibt. Von Lydia, die der Wind mitnimmt. Von Lisa, die für einen Nachmittag in das winzige italienische Bergdorf zurückkehrt, das ihre Mutter einst verließ - mitten im heißesten Sommer.

Über den Autor

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman "Der Schwimmer" wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara Cassens Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für die Erzählung "Unter Hunden" erhielt sie den Bettina-von Arnim-Preis.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Zsuzsa BánkUnter HundenIn einem Haus lebten wir, einem Haus mit roter Fassade, mit fünf oder sechs Stockwerken, Familien über uns, unter uns, übers Haus verteilt, mit ihren Kindern, hinter jeder Tür drei oder vier, mit ihren Großeltern, die an den Fenstern standen, um hinauszusehen auf die Autobahn, auf Strommasten und die wenigen Wege, die hinaus aus dieser Siedlung führten. Kai gehörte zu einer dieser Familien, einer Familie aus Brüdern, in einem dieser Häuser, mit blaßblauer Fassade, auf der anderen Seite der Straße, hinter den Spannungskästen, dort, wo die Züge in die Stadt fuhren und wir uns manchmal, an den Abenden, über die Gleise stießen. Kai, mit einer Mutter, die wir selten sahen, und die Tüten in den Händen hielt, drei, vier in jeder Hand, wenn sie die Straße hinablief, nach ihren Einkäufen, und nie geradeaus schaute dabei, bloß nach unten, auf den Weg, auf die Steinplatten vor ihren Füßen, als hätte sie Angst zu stolpern. Kais Mutter, mit diesem Haar, über das man sagte, sie solle es färben, und mit diesem Ruf, weil man glaubte, jedes ihrer Kinder sei von einem anderen. Ihre jüngeren Söhne gingen auf die schlechten Schulen, die älteren saßen vor den Hauseingängen, unter den Rissen im Vordach, auf Möbeln, die irgendwer auf den Müll geworfen hatte.Immer umgab sich Kai mit zwei, drei Jungen aus der Straße, die ihm blind folgten. Sie zogen mit ihm über Felder, stahlen sich in Hauseingänge, versteckten sich auf Speichern, hinter Türen aus Holzlatten, bis sie jemand verscheuchte. An den Nachmittagen dieses Sommers, an den ich denke, saßen sie neben Kai auf einer Bank, auf diesem Platz, auf dem wir uns alle trafen. Sie saßen dort, ohne viel zu reden, bis in den Abend hinein, wenn sie allein zurückblieben, weil sich der Platz leerte und wir anderen in Hauseingängen verschwanden, hinter roten und blauen Fassaden. Wenn wir sie kommen sahen, schon von weitem, Kai und die anderen, mit ihren Hunden, die sie von der Leine ließen, standen wir von der Bank auf und gingen weiter. Es war etwas an ihnen, das uns bedeutete, es ist nicht gut, ihnen gegenüberzustehen, es ist nicht einmal gut, an ihnen vorbeizulaufen. Kai sprach kaum, meist bewegte er nur sein Kinn, seine Hand, aber jeder verstand seine Gesten, selbst die winzigen, die kaum sichtbaren, und daß es zu spät war, den Platz zu verlassen, wenn Kai und die anderen nähergekommen waren, auch das verstand jeder.In diesem Sommer spielten wir ein Spiel, nachmittagelang, wochenlang. Wir zeichneten einen großen Kreis in den Sand, einen Erdball, mit einem Stock, den wir durch den Sand zogen, von den Bänken bis zu den Schaukeln, teilten die Welt ein, wie wir es wollten, und dann stand jeder auf einem Streifen Sand, auf einem Teil Welt, der an diesem Nachmittag ihm gehörte. Jemand warf ein Stöckchen durch die Luft, durch diesen blauen Himmel ohne Wolken, ein Stöckchen, das sich drehte und wendete im Flug und dem wir nachschauten, die Köpfein den Nacken geworfen, bereit loszulaufen, sobald es fallen würde. Wenn es einem von uns vor die Füße fiel, der es schnappte und losrannte, liefen wir anderen hinterher, schreiend, kreischend, um dieses Stöckchen zurückzuholen, dieses eine Stück Land zurückzugewinnen, diesen einen Teil Welt, auf dem es gelandet war. Kai teilte die Welt am häufigsten ein, er nahm uns den Stock aus der Hand, wenn wir angesetzt hatten, in den Staub zu zeichnen, warf ihn hoch und weit, und wenn er sich in den Bäumen verfing, zwischen Zweigen, in den dichten Baumkronen weit über uns, und wir anfingen zu lachen, drehte sich Kai zu uns, schnappte sich einen und brüllte, was ist daran witzig, an einem Stock, der in einem Baum landet. Und dann kletterte er hoch, um diesen einen Stock zu holen, obwohl doch überall Stöckchen und Zweige herumlagen.

Auszug aus Heißester Sommer von Zsuzsa Bank. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Letzter Sonntag

Jetzt steht sie da, vielleicht anderthalb Meter vor Anna, als hätte sie Angst, näher zu kommen. Die anderen sind zur Seite getreten, bilden einen Halbkreis. Sie ahnen, daß sie nicht stören dürfen, wenden sich ab, zögernd, gehen ein, zwei Schritte, schauen in ihre Taschen, ihre Hefte, auf ihre Uhren. Nach Annas Vortrag hat sie in der Menge gestanden und gewartet, bis die anderen ihre Fragen gestellt, mit Anna gesprochen haben, hat ihnen über die Schultern geschaut, auf Annas Tisch, auf das Papier, die Stifte. Anna ist es seltsam vorgekommen, aber sie hat sich nichts dabei gedacht, sich nicht gefragt, wer sie sein könnte, weil es viele gibt, die das tun: stehenbleiben, wenn andere schon da stehen.

Sie fragt Anna: Bist du - ?, und sagt Annas Namen, als ob Anna eine andere sein könnte, wo doch hier jeder weiß, wer sie ist, schon weil es auf den Plakaten auf dem Gang, an der Tür und am Podium steht. Später sagt sie, gleich habe sie gewußt, daß sie es ist, Anna, sie hätte nicht fragen müssen. Im Radio habe sie das Gespräch mit ihr gehört, am Morgen, in einem dieser neuen Magazine, als sie ihren ersten Tee getrunken habe, erklärt sie, fast, als müsse sie sich entschuldigen, dafür, daß sie hier steht und Anna anspricht. Aufgesprungen sei sie, um das Radio lauter zu drehen, die anderen seien sofort still gewesen, um zuzuhören, und dann sei sie durch die Stadt gefahren, habe auf ihre Uni, ihre Kurse verzichtet, ihre Eltern seien einverstanden gewesen, sei durch diese Halle gelaufen, durch diese große Halle, um jetzt, hier,
vor Anna zu stehen. Sie fragt, also, bist du?, und sagt Annas Namen, ihren ganzen Namen, mit einer Stimme, die wenig sicher, die fast ängstlich klingt, und Anna denkt, was fällt ihr ein, was erlaubt sie sich, sie weiß doch, daß ich es bin, jeder hier weiß es, und sie sagt, ja, die bin ich, in einem Ton, der zu verstehen gibt, daß sie nicht angesprochen werden will, als sei sie für jedermann jederzeit ansprechbar.

Márti ist es, die jetzt ihren Namen sagt, den Anna schon weiß: Márti. Anna kennt ihre Eltern. Sie kennt sie gut, besonders ihre Mutter, und sie fragt, obwohl es unnötig ist, dann bist du die Tochter von - ? Márti nickt, schnell, eifrig, als habe Anna sie endlich erlöst, endlich befreit, mit dem Namen ihrer Mutter, den Anna jetzt noch einmal sagt, Zsóka, langsam, als wollte sie jeden einzelnen Buchstaben klingen lassen, Zs-ó-k-a, um dann Mártis Namen zu sagen, mit einem überdeutlichen: Du bist also, als müßte sie sich dem Gedanken, daß sie es ist, für die Anna sie von Anfang an gehalten hat, doch erst annähern. Anna liegt dieser Satz auf den Lippen, vom Zeitvergehen, vom Großwerden, aber sie sagt ihn nicht.

Sie gehen einen kleinen, bleibenden Schritt aufeinander zu, oder nur Anna geht ihn, und Márti bleibt stehen. Sie umarmen sich, ungeschickt und kurz, als wüßten beide nicht, wie man sich umarmt, in solchen Momenten. Márti kämpft mit den Tränen, entschuldigt sich dafür, sucht nach einem Taschentuch, in das sie sich schneuzen kann, und Anna sagt schnell, was ihr als erstes in den Sinn kommt, vielleicht, um Mártis Suchen etwas entgegenzusetzen. Sie sagt, wir haben uns lange nicht gesehen, ich glaube, als du acht warst, warst du mit deinen Eltern bei uns, kann das sein? Ich weiß noch, wie
du warst, als Mädchen, ich weiß es noch genau, auch daß du den Tee nicht hattest trinken wollen, wegen seiner Farbe. Márti schaut ungläubig, vielleicht, weil Anna sich an Dinge erinnert, die andere sofort vergessen, und über die sie redet, als seien sie entscheidend. Anna fragt, wie alt bist du, und Márti antwortet, genau zwischen einundzwanzig und zweiundzwanzig, in einem Ton, der Anna etwas entgegenhalten soll, fast auftrumpfend, als sei das die beste Antwort, die man auf Annas Frage geben kann.

Sie stehen ein bißchen verloren. Anna sagt, ich habe keine Zeit, du siehst ja, dreht sich um und deutet in die Menge, mit einer Geste, die ihr nicht gefällt, weil sie zu groß geraten ist. Márti erwidert, ja, ich sehe es, bleibt aber trotzdem stehen, rührt sich nicht, als sei das kein Grund, nicht für sie, als habe sie das Recht, das unbedingte, bei Anna, mit Anna zu sein. Sie verabreden sich für den nächsten Tag. Anna schlägt vor, sie solle ihre Eltern mitbringen, die anderen auch, am besten die ganze große Familie, und Márti sagt, das werde ich, wieder in diesem Ton, lauter, forscher, als habe sie gesiegt, einen Kampf für sich entschieden. Sie umarmen sich noch einmal, zum Abschied, etwas länger, etwas fester, ihnen gelingt ein Lachen, und Anna sagt, wie zur Belohnung, schön, daß du gekommen bist, es ist schön, dich zu sehen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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