manager magazin (9/2002)
Einblicke in die Consultingszene
Im Netz der Intrigen
Unternehmensberater umgeben sich gern mit einer Aura der Überlegenheit: analytisch, emotionslos, unfehlbar. In diesem Buch, halb Krimi, halb Schlüsselroman, wird ein Berater zum Gejagten. Sein prestigeträchtiges Projekt droht zu scheitern. Sein Kunde, eine vornehme Frankfurter Privatbank, spielt ein undurchsichtiges Spiel. Zu allem Überfluss lassen ihn auch noch die Kollegen im Stich.
Spannende Lektüre, doch am Ende bleibt die Frage, ob es wirklich so wild zugeht in der Branche. Der Autor, der sich hinter einem Pseudonym versteckt, sollte es wissen: Er arbeitet selbst bei einer Beratungsfirma
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Wir normale Angestellten haben es ja schon immer gewusst, dass das Beraterleben knallhart ist. Interessiert, aber auch ein wenig abgestoßen ("O Gott, so könnte ich nicht leben") lassen wir uns von Fabian Hardenberg darüber informieren. Sein Roman bestätigt so manches Klischee. Vermutlich deshalb, weil an vielen Klischees etwas dran ist. Hardenberg muss es wissen. Er arbeitet - so der Klappentext - für eine internationale Unternehmensberatung. Doch seinen wirklichen Namen will er nicht nennen. Verständlich: Sicher sind nicht alle seine Kollegen begeistert, dass einer von ihnen so viele Einblicke in ihre Welt gibt und sie noch dazu als Basis für eine Thriller-Handlung verwendet, in der intrigiert wird, was das Zeug hält. In seinem Roman sind die Berater ambivalente Figuren, die eine Menge leisten, sich aber auch oft durchwurschteln, in ihrem Ehrgeiz verstricken und ein bedauernswert verarmtes Privatleben führen.
Hardenbergs Hauptfigur, der junge Berater Sebastian Ritter, ist erfolgreich, sogar Partner der Unternehmensberatung soll er demnächst werden. Doch sein wichtigstes Projekt, das kurz vor dem Abschluss steht, entwickelt sich schlecht. Ein pingeliger Teamkollege hat einen kleiner Zahlenfehler entdeckt, der bis zur Präsentation geklärt werden muss. Dieser Fehler entpuppt sich nach und nach als Schlüssel zu allem, was danach geschieht. Denn im Vorstand der Bank geht nicht alles mit rechten Dingen zu, und einige der Männer, die dort mit aller Kraft um Positionen und Macht ringen, haben eine ganze Menge zu verbergen. Und sie sind darauf angewiesen, die Berater auszuschalten, denn ihre sorgfältige Durchleuchtung der Bank könnte unangenehme Dinge ans Tageslicht bringen. Ritter versucht sich immer verzweifelter gegen die Feindseligkeit der Vorstandsmitglieder und die sich verschlimmernden Probleme zu behaupten. Doch er muss feststellen, dass nicht nur in den Führungsetagen der Bank, sondern auch in seiner Unternehmensberatung Eigenartiges vorgeht. Ritter soll zum Sündenbock gemacht werden. Seine einzige Chance, sich zu rehabilitieren und seinen Job zu retten, liegt darin, herauszufinden, was wirklich vorgeht, und das dicht gesponnene Intrigennetz zu durchschauen, in dem er sich verfangen hat. Und dann eine Lösung zu finden.
Hardenberg hat ein glaubwürdiges Szenario gewählt. Berater legen in den Unternehmen, die sie unter die Lupe nehmen, vieles offen. Und Transparenz ist nicht in jedermanns Interesse. Dass Mauscheleien und Machtkämpfe Alltag in der bunten Welt der Wirtschaft sind, das weiß jeder, der in seiner Firma die Augen offen hält. Dass es dabei Tote gibt, ist im wirklichen Leben dagegen eher selten. Hardenberg spitzt seine Geschichte stark zu und führt sie bis zum Hollywood-reifen Showdown. In der Realität wäre es sicher nicht so weit gekommen. Aber spannender ist seine Version allemal. Und gut geschrieben noch dazu.
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