Sturzgeburten? Pastoren? Gartenschlauch und Tulpenbeet? Entweder man hat die hier besprochenen verschiedenen Ausgaben dermaßen redigiert, oder wir haben tatsächlich ganz verschiedene Bücher gelesen ... Mir ist jedenfalls nichts davon in Erinnerung geblieben.
Unter "Erotik" mag jeder etwas anderes verstehen. Und: Die Qualität der einzelnen Stories variiert mitunter recht stark. Allen Geschichten gemein ist, daß sie sich nicht wie ein Sex-Filmchen im Spätprogramm konsumieren lassen. Diese Geschichten haben Widerhaken, verstören manchmal mehr, als daß sie anregen würden.
Zugegeben, Christoph Peters "Wölfe", furios geschrieben, heikles Thema, jedoch niemals voyeuristisch dargestellt, wäre vielleicht in einer anderen Anthologie - ohne "Erotik"-Anspruch - besser aufgehoben gewesen. Trotzdem eine meiner Lieblingsgeschichten. In Hans Jürgen Kolvenbachs "Annäherungen" treffen sich eine Frau und ein Mann, beide anderweitig gebunden, zum ersten Mal in einem Hotelzimmer. Die Anziehung und die Fremdheit, das Hin-und-Her-Gerissensein der beiden ist wunderbar beschrieben. Stefanie Menzingers "Äpfel auf Straßen" hat nicht umsonst einen Preis für die beste Kurzgeschichte gewonnen. Und es gibt noch mehr Highlights: Trauriges, Schockierendes, Abwegiges, selten Eindeutiges.
Pornographie hingegen ist immer eindeutig. Mit Pornographie hat dieses Buch daher nichts gemein.
Fazit: Es gibt mit Sicherheit anregendere Lektüre als diese! Aber: Wer Geschichten sucht, die unter die Oberfläche gehen und auch noch gut geschrieben sind, der ist mit diesem Buch äußerst gut bedient!