Vieweg und Welsch geben diesen "kooperativen Kommentar" zum 200-jährigen Erscheinen der PG von Hegel heraus. Zahlreiche Autoren reihen sich mit ihren Beiträgen entlang der Werkstruktur ein, angefangen bei der Gesamtkonzeption über die Abschnitte Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft, Geist, Religion und das absolute Wissen. Ein Ausblick schließt den Band nach fast 700 Seiten. In der Tiefe sind einige Texte herausragend, andere tangieren Hegel nur oberflächlich und wieder andere setzen ihn und seine Phänomenologie ins Verhältnis zu anderen Klassikern (wie Wittgenstein...). Sehr interessant ist Försters "Hegels Entdeckungsreisen". Er kommentiert die Entstehung und den Aufbau der PG. So spekulativ, so spektakulär ist hierbei der Hegelsche Versuch das Selbstbewusstsein in seiner Bewegung aus der sinnlichen Gewissheit, der Wahrnehmung, der "Kraft" und des Verstandes usf. herauszuarbeiten, hin zum unglücklichen Bewusstsein, zu dem Hegel schreibt: "Das unglückliche Selbstbewusstsein entäußerte sich seiner Selbständigkeit und rang sein Fürsichseyn zum Dinge heraus. Es kehrte dadurch aus dem Selbstbewusstsein in das Bewusstsein zurück [!], d.h. in das Bewusstsein, für welches der Gegenstand ein Sein, ein Ding ist; aber dies, was Ding ist, ist das Selbstbewusstsein; es ist also die Einheit des Ich und des Sein, die KATEGORIE." Ohashi bestätigt dies in seinem Beitrag "Die Tragweite des Sinnlichen": "Dagegen bedeutet das Selbstbewusstsein bei Hegel, dass die Erfahrung des Bewusstseins mit seinem Gegenstand am Ende die Erfahrung des Bewusstseins mit sich selbst ist." Wir müssen in dieser rein deskriptiven Wiedergabe schon aber auch wertend hinzugeben, dass Hegel dies unter gewissen Aprioris von statten gehen lässt. Aber wie wird sich das Selbstbewusstsein seiner selbst bewusst? Quante zitiert Hegel an der richtigen Stelle in seinem Text "Die Vernunft unvernünftig aufgefasst": "Damit ist die Grundstruktur der Vernunft erreicht, die nach Hegel darin besteht, dass das Selbstbewusstsein sich nun 'seiner selbst als der Realtität gewiss' ist." Sieps Beitrag "Moralischer und sittlicher Geist in Hegels Phänomenologie" befasst sich mit der Ethik des Werkes. Er meint, Hegels Geistbegriff "soll die unbedingt geltenden, objektiven Sitten ebenso umfassen wie das Recht des Individuums, jede Wahrheitsthese und jede Norm der Prüfung seiner eigenen Vernunft und seines Gewissens zu unterwerfen." Er gewinnt Hegel ab, dass zur Souveränität des Gewissens ein Bewusstsein gehört, "dass an dem subjektiven Imperativ der Handlung kein Zweifel möglich ist. Die Unbedingtheit einer in der traditionalen Sittlichkeit göttlich gebotenen Handlung wird in der Moderne in das GEWISSEN selber verlegt." Zum nous, also (profan ausgedrückt) zu dem menschlichen Vermögen etwas geistig zu erfassen, meint Siep, dass dieser schon in der plotinischen Vostellung das System der notwendigen Ideen in sich enthält und dieser auch für Hegel gilt: "Daher ist auch das individuelle Verwirklichen des Guten letztlich nur ein Explizitmachen der in der Wirklichkeit schon enthaltenen Zweck- und Güterordnung." Schlösser ("Handlung, Sprache, Geist") geht der PG sprachphilosophisch auf den Grund: "In der Sprache, so Hegel weiter, ist sein 'Dasein eine Gegenständlichkeit, welche seine wahre Natur an ihr hat.'" Einer der Aufsätze nähert sich Hegel auch sprechakttheoretisch. Hinzu kommen viele andere Texte, die den Jubiläumskommentar zu einem Lesevergnügen machen, das den Horizont vor dem Hintergrund jenes tiefsinnigen Schlüsseltextes der Philosophie in angemessen würdiger Weise erweitert.