Eine gefährliche Eigenschaft der Hegel-Lektüre liegt darin, dass sie ansteckend ist. Das lässt sich in jedem Hegel-Seminar nachweisen, das umgehend in ein anundfürsich weltgeistig-phänomenologisches Kauderwelsch verfällt. Da Hegel selbst, neben seiner umständlichen, mühsamen Schreibweise streckenweise unverständlich ist (Ausnahmen sind mitunter die Enzyclopädie, Ästhetik und die Geschichte der Philosophie) und er deshalb bei Schiller um Nachhilfestunden ansuchte, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt zu, nichts verstanden zu haben, - was den Wenigsten leicht fällt - oder man kippt in denselben esoterischen Jargon der Eigentlichkeit wie der Magier der Verschleierung.
Wer gehaltreiche Philosophie lesen möchte und wie man sie schreibt, dem sei der vielgeistige und unterschätzte Schopenhauer empfohlen, der freimütig gesteht, nichts vom Großmeister der philosophischen Verschlüsselung kapiert zu haben und das, was er begriffen habe, widerlege sich von selbst. Das ist zugegeben polemisch, aber das Monument eines Staatsphilosophen (summus philosophus) anzugreifen, war damals kühn.
Hegel hat gemeint, ihn habe nur einer verstanden, und der habe ihn nicht verstanden. Dies zum Trost an alle, die sich Erleuchtung erwarten und ins Verlies der Hegelschen Vernunft tappen. Was sich dieser übrigens in der Auslegung des Vernunftbegriffs gestattet, liegt weit außerhalb dessen Reichweite.
Die Herausgeber sind den barocken Reizen Hegels erlegen, indem sie das ihnen Unbegreifliche nachplappern. Wenn man also nichts an der CD begreift, hat man wenigstens Hegel begriffen. Und mehr kann man von dieser Edition nicht erwarten.
Ihr Preis ist - fast selbstverständlich bei Hegel - sehr hoch gegriffen.