Ich habe so einige Erlebnisberichte über den Ersten Weltkrieg gelesen, darunter natürlich Remarque, Jünger, Rommel oder Zweig. Aber "Heeresbericht", dessen Autor Edlef Köppen mir vollkommen unbekannt war, hat mich von der ersten Seite an gefesselt, wie selten ein Buch zuvor. Und ich lese ziemlich viele Bücher.... Die wunderbar nüchterne und präzise Sprache ist bereits ein Höhepunkt an sich, ein unglaubliches Talent, dieser Köppen. Der Inhalt aber, obwohl dies kaum mehr möglich erscheint, hebt sich noch über Stil und Sprache hinweg. Die Verwandlung des Adolf Reisiger im Laufe des mehrjährigen Gemetzels ist nachvollziehbar, verständlich, beklemmend. Weder wird er zu einem "Landsknecht" im Sinne Jüngers, noch findet der etwas weinerliche Ton eines Remarque statt. "Heeresbericht" positioniert sich damit sozusagen genau in der Mitte zwischen "Im Westen nichts Neues" und "In Stahlgewittern". Und schlägt meiner Meinung nach beide Klassiker! Dazu lernt man noch einiges über Wirkungsweise und Taktik der Feldartillerie. Reisiger ist Artillerist, und diese war ja die bestimmende Waffengattung des Ersten Weltkriegs.Auch das Ende, welches ich selbstverständlich nicht verrate, finde ich sehr stimmig. Hier passt einfach alles. Für mich nicht nur der bisher beste Roman, welchen ich über den Ersten Weltkrieg gelesen habe, sondern eines der besten Bücher überhaupt in meinem ganzen bisherigen Leben. Chapeau!