Viel kennt und hört man über "Im Westen nichts Neues" und anderer Anti-Kriegsliteratur, nichts jedoch über Edlef Köppens "Heeresbericht". So bin auch ich rein zufällig drüber gestoßen und hab mir das Buch aufgrund der sehr positiven Rezensionen zugelegt - und ich muss sagen, ich hab es kein bisschen bereut.
Es geht um den Studenten Adolf Reisiger, der sich 1914 bei Ausbruch des Krieges als Freiwilliger meldet, um die Kameradschaft an der Front kennenzulernen, aber auch das Soldatentum, das für ihn stets von einem Schleier des Heroischen umgeben ist. Schnell merkt er, das Soldat sein ein "Knochenjob" ist und nach und nach wandelt sich seine Einstellung zum Krieg, zum Soldatsein, zum Töten. Während ein kriegsbegeisterter Reisiger am Amfang noch detailliert schildert, wie man sich fühlt, wenn seine Batterie durch ein unter Artilleriefeuer stehendes Dorf marschieren muss, Einschläge links und rechts, fast nur dem Glück überlassen, so heißt es später nur noch lapidar: "Da muss man durch". Während die Zeit vergeht und an ein schnelles Kriegsende nicht mehr zu denken ist, erfährt Resiger, was die Schrecken des Krieges sind. Aber trotz all der Toten, trotz der Kameraden, die kommen und fallen, trotz aller Entbehrungen und allen Blutvergießens bleibt doch nur die Erkenntnis: "Befehl ist Befehl" - aushalten, durchhalten, weitermachen...
Köppens Buch lässt sich in sehr kurzer Zeit durchlesen, was daran liegt, dass es ungemein fesselt. Wenn Reisiger anfängt, zu erzählen, zu beschreiben, was in den Gefechten passiert, fliegen die Seiten nur dahin, denn durch die einfache klare Sprache schafft er es, dass man sich selbst als Teil dieses Krieges begreift - mittendrin, statt nur dabei. So gewinnt der Leser nach und nach ein Bild, wie der Krieg gewesen ist - es macht sprachlos, lässt einen den Kopfschütteln und manchmal läuft es einem kalt den Rücken runter. Und immer wenn man glaubt, "jetzt hab ich alles gesehen, mich kann nichts mehr überraschen", so beweist Köppen: Irgendwas ist immer.
Ob nun "Heeresbericht" besser oder schlechter als "Im Westen nichts Neues" ist, kann und mag ich nicht beurteilen. Am besten liest man wohl beide Bücher. Wirklich schade ist nur, dass "Heeresbericht" bei weitem nicht so bekannt ist. Empfehlenswert ist es allemal!