Dieser dritte Band der Hector'schen Reihe befasst sich nunmehr mit der Zeit, nachdem die Leitfigur Hector schon die Liebe udn das Glück entdeckt hatte.
Vom Stil her gleichen sich die drei Bücher und doch kann der Autor Francois Lelord inhaltlich durchaus unterschiedliche Akzente setzen.
Um sich wohl nicht zu rasch auf Neues einstellen zu müssen, erwartet die Leserschaft zunächst die psychiatrische Praxis von Hector, in der er unterschiedliche Patienten behandelt. Seine Freundin Clara, sein Freund Edouard, die vermeintlich Geliebte Ying Li sowie einige andere Akteure finden sich in diesen Reisebegleiter durhc die Zeit ein. So versteht es Lelord wieder vorzüglich Personen, Orte und Zeiten anzudeuten und doch wieder so genau zu beschreiben, dass man eine bestimmte Ahnung von ihnen erhält. Die eingestreuten Zitate sind nur leicht verändert und hätten gut und gerne auch mal im Original zitiert werden können. Zudem wirken manche Leerseiten zwischen den Kapiteln eher als Lückenfüller.
Dennoch sind diesem Buch viele Bewertungspunkte zuzuordnen, denn das Buch läßt sich auch unabhängig von den anderen Werken der Triologie gut lesen und verstehen. Der Autor und Psychiater schafft es zudem, mit relativ leicht entworfenen Bildern, wohl überlegten Ortswechseln und eingestreuten Merksätzen immer wieder zum Nachdenken über den persönlichen Umgang mit der Zeit nachzudenken. So mischt er in gelungener Weise Traum, Realität und Parallelzeiten zu einer hilfreichen Kombination.
Mal ist es Grönland, dann wieder Europa und dann wieder Asien, wo sich Hector in teils unwirtlichen Lagen wiederfindet.
In Nebensätzen vermitteln Lelord - manchmal nur häppchenweise - seine philosophischen Gedanken - beispielsweise wenn er beklagt, dass die Menschen heute "ein unaufhörliches Emporsprudeln von Neuigkeiten organisieren."(S. 199) Oder das Bild der Stoffbahn, aus dem man seine verbleibende Zeit schneidern kann. Oder wenn Lelord von dem Menschen erzählt, der seine restliche Lebenszeit danach mißt, wieviele Hunde er noch nacheinander halten könne.
So aber wie Lelord beschreibt, dass die Menschen immer mehr unterwegs seien als früher, so ist auch Hector unwahrscheinlich viel unterwegs.
Es macht aber Spaß, diese Häppchen-Ansammlung philosophischer Impulsgebungen aufzunehmen und das eigenen Denken und Handeln auf den Prüfstand der Zeit zu stellen.
Das Buch ist keine Zeitverschwendung, sondern ein wirkungsvolles Mittel, um sich bewußter damit zu beschäftigen, sich seine persönliche Zeit zu nehmen, zu geben und zu leben...