Am Hebräischlernen kommt auch heute noch kein Theologiestudent vorbei, und diese Sprache, die so gar nichts mit den uns bekannten europäischen Sprachen zu tun hat, bereitet doch einigen Probleme.
Vor allem die Verben, zusammengesetzt aus drei sogenannten Radikalen, sind wohl das Hauptproblem beim Vokabellernen. Dieses Problems haben sich Andreas Käser und Thomas Dallendörfer angenommen. Die beiden ehemaligen Theologiestudenten haben sich eine neue Methode des Hebräischlernens überlegt und zu Papier gebracht: Lernen durch Bilder.
Vorweg muss gesagt werden, dass für diese Methode schon Vorwissen in Hebräisch mitgebracht werden muss. Die Buchstaben, deren Aussprache und auch ein gewisses Grundwissen der hebräischen Grammatik, zum Beispiel im Blick auf die verschiedenen Stämme, werden vorausgesetzt.
Kernelemente der Methode sind "Onepack" und "Twopack". Das hebräische Verb glh zum Beispiel ("aufdecken, entblößen") wird in zwei Teile getrennt. Die ersten beiden Radikale - gl - stellen den Twopack dar, das verbleibende h den Onepack. Jeder Radikal hat sein eigenes Bildsymbol, welches auch zur äußeren Form des Buchstabens passt. So hat zum Beispiel das h eine Tür als Bildsymbol. Beim Twopack spielt dagegen die Akustik eine wichtige Rolle. Da unser Beispiel-Verb "galah" ausgesprochen wird, bietet sich für den Twopack der Begriff "Gallier" an. Das Verb mit den Bildsymbolen Gallier und Tür sowie der Bedeutung "aufdecken" ergibt dann: "Gallier deckt Tür auf".
Um mit dieser Methode lernen zu können, ist es von Nöten, erst einmal die Bildsymbole der Onepacks auswendig zu lernen. Das hört sich nach viel Arbeit an, aber da die Bilder den Buchstaben im Aussehen ähneln, handelt es sich um eine durchaus machbare Aufgabe. So hat das sajin zum Beispiel einen Hammer als Symbol, und auch an die veränderten Schlusslaute, wie sie sich bei k und n finden (k bzw. n), ist gedacht. So ist zum Beispiel das "normale" ' ein Bett (um 90 Grad nach links gekippt sieht es durchaus so aus) und w ein Ski.
Nun gibt es im Hebräischen natürlich auch unregelmäßige Verben, nämlich die allseits beliebten I-Nun- und I-Jod/Waw-Verben, die Hohlen Wurzeln, doppelt schwache Verben und die II-Geminate-Verben (auch andere Terminologien sind natürlich verbreitet).
Für diese Verben ändert sich die Onepack- und Twopack-Kombination. So bildet bei den I-Nun-Verben ausnahmsweise der erste Radikal den Onepack und die beiden letzten Radikale den Twopack. Eine weitere Sache, die mit gelernt werden muss, ist die Unterscheidung zwischen aleph und ajin, den verschiedenen S-Lauten, den B-Lauten und den K- oder Ch-Lauten. Bei den betroffenen Verben müssen noch Zusätze zu den einzelnen Radikalen gelernt werden. Bei der Unterscheidung zwischen aleph und ajin beispielsweise wird für aleph ein "gehörnt" (das aleph hat das Bildsymbol Stier) und für das ajin ein "einäugig" (ajin wird durch ein Auge dargestellt) hinzugefügt.
So ist ein akl ("essen, fressen") in der Bildsymbolik eine Schlange (l) für den Onepack, eine Achterbahn für das Lautsymbol für aleph und k ("ach" ausgesprochen) und heißt dann: "Schlange frisst englische gehörnte Achterbahn" ("englisch" signalisiert, dass der Ch-Laut ein k ist).
Auf den ersten Blick ziemlich schwierig, aber wenn man das System mal verstanden hat, ist es sehr logisch. Dann sind die Symbole für die verschiedenen Stämme auch kein so großes Problem mehr.
Um bei Verben die verschiedenen Bedeutungen in den einzelnen Stämmen dazu zu lernen, werden in die Onepack-Twopack-Kombination einfach kleine Zusätze eingebaut. So zum Beispiel steht für den Nif'al der Zusatz "am Nil", für den Pi'el "in Pisa" und so weiter. Konkret lautet dann der Merksatz zum Verb pla (im Nif'al: "wunderbar sein"): "Stier auf dem Palast am Nil ist wunderbar" (aleph für Stier, pl für Palast).
Auf der Internetseite des Brunnen-Verlags stehen zudem zwei Merkblätter zum Download bereit.
Die vorgestellte Methode bedarf einiger Vorbereitungszeit, ist aber aus meiner Sicht eine gute Möglichkeit, Hebräisch zu lernen. Vorausgesetzt, man bringt das nötige Bildergedächtnis mit. Dann ist auch für genügend Abwechslung gesorgt - kein Vergleich mit sturem Pauken! Ein weiterer Vorteil sei noch erwähnt: Die Autoren haben sämtliche Vokabeln der gängigen Lehrbücher berücksichtigt. Alle, die mit Jenni, Neef, Lambdin lernen, finden also genau "ihre" Vokabeln wieder.
Alexandra Käss
ichthys 26 (2010), 255f.