Eine grüne, leuchtende Kugel fliegt durch das All. Und wo sie auftaucht verbreitet sie Tod und Verderben. Es ist der >Lok-Nar<, bekannt aus dem ersten Teil der Comic-Saga um den muskelbepackten Helden >Den< von Richard Corben. In fünf kurzen und einer etwas längeren Episode, sowie einer alles verknüpfenden Rahmenhandlung, erzählt der Film von den Umtrieben dieser fiesen kleinen Kugel und dem was sie anrichtet...
Jahrzehntelang hatte der Disney-Konzern das Zeichentrickfilm-Genre mit seinen zuckersüßen, kunterbunten Filmchen beherrscht und mit seinen Konventionen verseucht. Dann kam >Heavy Metal< und... Naja, eigentlich hat sich so gut wie nichts geändert. Heute gibt es zwar die 3-D-Produktionen der Pixar-Schule, aber die folgen auch alle mehr oder weniger dem gleichen Muster. >Heavy Metal< jedoch scherte sich einen Dreck um all das.
Gewaltverherrlichung, Sexismus und Drogenverharmlosung wurden dem Film damals vorgeworfen. Und das alles völlig zu recht! Aber nur hoffnungslose Piefkes konnten das in diesem Fall wirklich ernst nehmen. >Heavy Metal< war wie eine frische Brise, die, wenigstens für einen Augenblick, all die geradezu eklig niedlichen Zeichentrick-Viechereien aus unseren Köpfen pustete, die sich da im Laufe der Zeit festgefressen hatten.
Ein wirklich guter Film ist >Heavy Metal< dennoch leider nicht. Die Qualität der Zeichnungen ist vorwiegend Mittelmaß und reicht nur selten an die der Comic-Vorlagen heran. Besonders deutlich wird das bei der Umsetzung von Richard Corbens genialem Epos >Den< (
DEN 1 - Die Reise nach Nirgendwo (Die phantastische Welt des Richard Corben 1)), dessen umwerfendes Artwork sich in der kurzen Episode des Films in keinster Weise wiederfindet. Auch die Animation ist nicht das gelbe vom Ei. Zu wenig Bilder pro Sekunde lassen sie etwas ruckelig erscheinen. Als noch gravierender empfinde ich aber wie oberflächlich und knapp die einzelnen Episoden runtergenudelt werden. Echte Stories lassen sich allenfalls erahnen. Auch der thematische Zusammenhang der einzelnen Episoden ist nur mäßig überzeugend. Das alles ist ohne jeden Zweifel vor allem auf das äußerst geringe Budget zurückzuführen, das für diesen Film zur Verfügung stand.
Und verglichen mit den Comics ist der Film geradezu niedlich züchtig. Das wird wiederum besonders deutlich wenn man die Episode >Den< mit dem gleichnamigen Comic vergleicht, der wahrlich nicht für Puritaner gemacht ist. Aber es war damals sicher ohnehin schwer genug den Film, an der Zensur vorbei, in die Kinos zu bekommen. Heute, im Zeitalter von Internet und Privatfernsehen, kann man damit wohl kaum noch jemanden schocken.
Trotz all dem überträgt sich in den besseren Momenten des Films der Zauber des Sujets, des Fantastischen, auf den Zuschauer. Und hierzu trägt in erheblichem Maße die epochale Filmmusik von Meisterkomponist Elmer Bernstein (>To kill a Mockingbird<, >The magnificent Seven<...) bei, dessen Beitrag zu diesem Film zum Allerfeinsten gehört das seine Zunft jemals hervorgebracht hat (
Heavy Metal von Elmer Bernstein). Und auch die effektvoll eingestreute Rockmusik kann sich hören lassen (
Heavy Metal, various Artists). Wenngleich man sich hier und da mit dem Abmischen etwas mehr Mühe hätte geben sollen.
Bei der Gelegenheit sei erwähnt, dass der Film mit Heavy-Metal-Subkultur relativ wenig zu tun hat, obwohl sich dieses Gerücht immernoch hartnäckig hält. Zwar finden sich je ein Song von Black Sabbath (>Mob rules< in einer eigens für den Film eingespielten Fassung, im Film sogar nebst Intro >E5150<, nicht aber auf CD) und Trust (>Prefabricated<) auf dem Soundtrack; Stevie Nicks, Donald Fagen, Devo usw. kann man aber kaum dieser Stilrichtung zuordnen. Vielmehr ist der Film nach der us-amerikanischen Comic-Zeitschrift >Heavy Metal< benannt worden, die wiederum nach deren französischem Vorbild >Metal Hurlant< betitelt wurde, deren Macher man, meines Wissens, eher als bekiffte Hippies bezeichnen könnte, denn als Rocker.
Kult ist dieser Film allemal! Für Liebhaber der erlesen erzählten und gestalteten Comics von Moebius, Corben, Wrightson & Co wird er aber wohl nie wirklich das Alpha und Omega sein können.
Ein kleines Schmankerl für Lovecraft-Fans: die monströse Gottheit, die in >Den< beschworen wird, heißt >Uhluhtc< (im Film >Ulatec< gesprochen), rückwärts gelesen also >Cthulhu<.
Sehr zu empfehlen sind die üppigen Extras. Neben Galerien mit ungezählten Skizzen und Entwurfszeichnungen, enthält die DVD auch eine mit Titelbildern und Illustrationen des Comic-Magazins >Heavy Metal<. Außerdem natürlich eine interessante (untertitelte) Featurette mit Interviews der Macher des Films. Besonders hervorheben möchte ich die im Film nicht verwendete Episode >Neverwhere Land< von Cornelius Cole, die ebenfalls auf der DVD zu finden ist. Künstlerisch gesehen wäre sie vielleicht sogar die beste Episode gewesen. Aber sie fällt tatsächlich etwas aus dem Rahmen, weshalb man sie herausnahm. Bild- und Tonqualität sind angesichts des Alters des Films kaum zu bemängeln. Die englische Tonspur bietet Dolby 5.1, die deutsche, französische und italienische Dolby Surround, die spanische nur Mono. Untertitel sind in zwanzig verschiedenen Sprachen verfügbar.
PS: Mit der Benotung habe ich mich sehr schwer getan. Eigentlich hätte ich dem Film gern noch einen halben Stern mehr gegeben. Denken Sie ihn sich einfach dazu!