Elke Nolteernsting nähert sich hier wissenschaftlich (aber dabei stets lesbar) den gitarrenlastigen Schwermetall-gefilden. Interessierten Nichteingeweihten wie Fans und Angehörigen der Szene wird gleichermaßen ein kom-pakter Einblick in die Genese der Szene, in die Musik(en) und das Leben der männlichen und weiblichen Fans und Idole gewährt.
Schön, daß hier gar nicht erst versucht wird, krampfhaft an einem Objektivitätsideal festzuhalten, das in vielen (so „wissenschaftlichen") Arbeiten lediglich als selbststilisierendes Qualitätsmerkmal herangezogen und dann meist doch nicht gehalten wird. Nur so kann dieses Buch dann auch mit Szene-Mythen - Stichwort: Beischlaf-Drogen Alkohol - aufräumen, wozu die zahlreichen Interviewsplitter mit Musikern beitragen. Stellvertretend seien hier genannt, auch weil vom Rezensenten sehr geschätzt, Crowbars „zarter" Kirk Windstein, der „große" Glen Danzig oder auch „Smartgesicht" Lemmy Kilmister.
Das Auftauchen von Namen wie Ice-T`s Bodycount oder Rockbitch mag manche(n) Leser/Leserin berechtigter-weise (weil, natürlich auch subjektiv) verwirren. Ist das noch/schon Metal, oder was? Die, obgleich leidige, Diskussion über musikalische Grenzziehungen gehört hier mit hinein, auch wenn das nicht das hauptsächliche Erkenntnisinteresse der Arbeit bildete.
Insgesamt ein wirklich informativer Blick in eine vielschichtige und allgegenwärtige (nicht nur Jugend-) Szene, abseits des so beliebten Klischees vom mattenwedelnden, Jeansweste-mit-eingewachsenen-Maiden-und-AC/DC-Aufnähern tragenden Grimmiggucker, an deren - natürlich mit Nietenarmbändern behängten - Armen der sich permanent-arretierte Zeige- und kleine Finger in die Höhe recken. Was natürlich auch dazugehört!