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5.0 von 5 Sternen
Mensch und Natur in akustischem Einklang, 25. April 2004
Rezension bezieht sich auf: Heavy Horses [REMASTERED] (Audio CD)
Das 1978er Jethro Tull-Album "Heavy horses" reiht sich nahtlos in eine Abfolge von Platten ein, auf denen feinste Rock-Musik schon durch das Plattencover, vor allem jedoch durch die Musik selbst, an bestimmte Assoziationen geknüpft wird, die den Album-Tracks eine klare Zusammengehörigkeit verleihen und den Hörer vom Kauf der CD an in ihren Bann ziehen.
Nach dem religiösen "Aqualung", dem höfischen "Minstrel in the gallery" und dem naturverbundenen "Songs from the wood" legten die Mannen um Ian Anderson mit "Heavy horses" ein rustikales Album, quasi rund um den Bauernhof, hin. Schon bei Betrachtung des Plattencovers mit den 2 Pferden setzen sich die ersten ländlichen Bilder im Kopf fest, welche dann durch das Hören des Andersonschen Liedgutes präzisiert und ausgeweitet werden.
Für Jethro-Tull-Verhältnisse sind die meisten Kompositionen auf "Heavy horses" recht simpel gestrickt, was die Scheibe auch für Neuinteressierte sehr empfehlenswert macht. Der Großteil der Stücke wird sehr folkloristisch instrumentiert, die wenigen "reinrassig-rockigen" Passagen sind Ausnahmen.
Der Auftaktsong "And the mouse police never sleeps" etabliert zunächst mit seinen Katz-und-Maus-lyrics die beschauliche Landluft-Stimmung. "Acres wild" ist ein mitreißender Folk-Rock-Song, dessen Instrumentalpassagen sehr an irische Tanzmusik erinnern, während das etwas zu lang geratene "No lullaby" mit wildem Drum-Intro und ziemlich rockiger Gestaltung zunächst nicht recht ins Bild passen will, aber letztendlich doch zu überzeugen weiß. Die reine Akustiknummer "Moths" führt den Hörer wieder zurück auf den Bauernhof, das etwas mysteriöse "Journeyman" bietet stimmungsmäßig etwas Abwechslung und auf "Rover" brillieren die virtuosen Instrumentalisten der Band, bevor mit "One brown mouse" das klar eingängigste Lied des Albums erklingt, welches einfach fantastisch und facettenreich arrangiert wurde - Wohlklang pur, ein glasklarer, zeitloser Sound. Höhepunkt des Albums ist eindeutig der Titelsong, welcher mit seinen packenden Instrumentalpassagen und den ergreifenden Strophen und Refrains sowie einem temporeichen, quasi "galoppierenden" weiteren Teil über 8 Minuten lang hervorragenden Folk-Rock bietet, der die Grundstimmung des Albums durch Text, Melodie und Instrumentierung am allerdeutlichsten verkörpert - die traumhafte Vorstellung, als Mensch mit der Natur in Einklang zu leben, sie zu nutzen und zu genießen, aber vor allem zu respektieren und wertzuschätzen.
Die musikalische Umsetzung dieses Gedankenspiels ist enorm gut gelungen. Nicht außer Acht zu lassen: das abschließende "Weathercock" - nochmal "Bauernhof-Musik".
Man sollte - auch als Jethro Tull-Neuling - nicht zögern, sich "Heavy horses" zu besorgen und anzuhören.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Remastered - Top!, 30. April 2004
Rezension bezieht sich auf: Heavy Horses [REMASTERED] (Audio CD)
Kaum zu glauben was remastered möglich ist. Der Sound ist klarer und kommt viel kräftiger als auf dem Original.
Ein weiteres Plus ist das schöne Booklet und die beiden Bonus Tracks. Für mich sowieso schon immer die beste Tull-Scheibe.
Auch wenn man die Urversion schon hat - trotzdem kaufen - lohnt sich!
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das einfühlsamste aller Tull Alben!, 25. Juli 2007
Das Ian Anderson eine besondere Affinität zum Landleben pflegt, ist ja hinreichend bekannt. Dass er es auch musikalisch umzusetzen wusste, ist seit der 'Songs from the Wood' ebenfalls kein Geheimnis. Was ich nie verstehen werde, ist, dass 'Songs from the Wood' auch heute noch als das bessere Album hingestellt wird. Ich sehe das nämlich genau anders herum.
'Heavy Horses' ist eine ganze Ecke einfühlsamer als ihr direkter Vorgänger. Das beginnt schon mit dem wunderschönen 'Acres Wild' und endet in einer ergreifenden Hymne an die einstigen 'Motoren' des altehrwürdigen, englischen Gutslebens: Die 'Heavy Horses'!
Dieser Song, man mag mir meine Herkunft aus einem kleinen, oberbayerischen Bauernhof nachsehen, ist für mich auch heute noch, und nach wirklich allen Tull-Alben, das Großartigste, das dieser kauzig-sympathische Flötenspieler jemals geschrieben hat. Da braucht mir keiner mit 'Thick as Brick' oder 'A Passion Play' zu kommen. Mögen die noch soviel progressiven Reiz verströmen, an 'Heavy Horses' können sie sich (für mich) niemals messen.
Ich weiß nicht genau, was tatsächlich den Reiz dieses Albums ausmacht. Sicherlich hat der bärbeißige Folk, der es von vorne bis hinten bestimmt und diese absolute Authentizität, die genau so (ich weiß durchaus wovon ich rede) auf das alt-englische Landleben zutrifft, den größten Anteil daran. Sicherlich könnte auch kein anderer Musiker dieser Welt genau dieses Thema besser interpretieren als Ian Anderson. Letztendlich sind es aber diese kleinen, (vielleicht sentimental-) vertonten Geschichten und Erzählungen, wie 'One brown Mouse' oder 'Rover' oder auch der Opener '...and the Mouse Police never sleeps', die das wirkliche Potential dieses Albums darstellen. Sie sind eine herrliche Gratwanderung zwischen Fabel und Realität.
Natürlich stehen die anderen Takes dieses Albums den bisher genannten in keinster Weise nach. Hervorheben muss man eigentlich alle! Ich nenne jetzt aber nur noch das großartig instrumentierte 'No Lullaby', eindeutig das rockigste und progressivste Stück der Scheibe, sowie das wundervoll-mystische 'Journeyman'.
Höhepunkt ist und bleibt aber einfach der Titeltrack mit seiner wunderschönen, melancholischen Grundstimmung, dem klagenden oder besser anklagenden Text und dem ebenfalls wunderschönen Refrain. Dieses Stück ist wirklich ein Hymne! Eine Hymne an eine Zeit, die unwiederruflich vorbei ist, von der aber (rein landwirtschaftlich betrachtet) trotzdem jeder vernünftige Mensch weiß, dass es grundfalsch war, nicht an ihr festgehalten zu haben. Aber darüber zu philosophieren erspar ich mir und den Lesern.
'Heavy Horses' ist schlicht und einfach genial! -Dass gilt für das Take selbst, wie auch für die ganze Scheibe. Ein absolut hochkarätiges und empfehlenswertes Stück englischer Rockmusik, das in keiner, auch nur halbwegs ambitionierten Musiksammlung fehlen sollte.
Der einzige Wermutstropfen ist wieder einmal der völlig unnötige Kopierschutz der remasterten Tull-Alben. Der normale Konsument möchte diese Musik sicher auch mal im Auto oder vom mp3-Player hören. Der Kopierschutz lässt diese Alternativen, zumindest für die breite Masse, nicht zu. Den Anderen hilft halt wieder einmal nur der Iso Buster....
Ob das aber Sinn der Sache ist, lasse ich mal dahingestellt.
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