Ich muss zugeben, dass ich nicht genau wusste worauf ich mich einließ als ich mir die „Heaven's open" zulegte. Ich kannte von der „elements" - CD, dem Best of - Album bereits den Titelsong „Heaven's open" (und ich muss auch sagen, dass ich ihn schon von Beginn an grandios fand), aber mit dem Album „Heaven's open" wagte ich wirklich einen Griff ins Blaue.
Bekanntermaßen sind auf dem 1991 entstandenen Album sechs Tracks, bis auf Track 6, der mit einer Spiellänge von über 19 Minuten beeindruckt, sind alle zwischen vier bis sechs Minuten angelegt.
Die Tracks 1 bis 5 sind stärker auf der damaligen Modewelle angelegt, es sind Pop-Rock Gemische. Nun kann man sich darüber streiten, wo Mike Oldfields Stärke bestand; eher bei den - zweifellos erfolgreichen und sehr gut gemachten - Mainstreamtiteln wie „Moonlight Shadow" oder „In France" oder eher auf den alternativen Titeln wie den grandiosen Vollversionen von „Tubular Bells", „Incantation" oder „Amarok".
Ich persönlich tendiere zu letzterem, ich halte Oldfields Improvisationstalent für unnachahmlich und lange Titel mit verschiedenen Stileinflüssen und einer Bandbreite von vorsuggerierten Gefühlen sind meiner Meinung nach sein Metier.
Die normallangen Tracks auf dem Album halte ich aber auch für sehr gelungen, „make make" beeindruckt mich durch die Melodien und das Flair, das in mir aufkommt, wenn ich Songs aus der Zeit der beginnenden Neunzigern höre. Jedoch noch um einiges besser halte ich „no dream", der Song hat es wirklich in sich, ich bin fasziniert von der Melodie, die gespielte Geige passt extrem gut zur melancholischen Atmosphäre des Songs und die Stimme des Sängers erklingt großartig impulsiv (zum Sänger sag ich noch was). Ebenso sind „Mr Shame" und „Gimme back" ziemlich gute Werke, atmosphärisch heiterer, wobei mir „Gimme back" auch dadurch auffällt dass der Choral im Hintergrund extrem gut passt. Er vermittelt in gewisser Weise eine tropische Melodie.
Der letzte Song „Music from the balcony" ist das „große Stück" des Albums, wieder ein tiefer Griff in Oldfields Können. Es wurden viele Stilrichtungen miteinander vermischt, sodass der Song nicht langweilig wird und man lernt, ihn bewusst zu hören.
Das einzigartige am Album, was es auch sehr sehr wertvoll macht ist die Tatsache, dass Mike Oldfield hier seine Stimme arbeiten lässt. In jedem Song ( außer „Melody from the balcony", welches rein instrumental ist) singt er selbst im Vordergrund, was den Songs eine ganz eigene Atmosphäre gibt. Es ist ja allgemein bekannt, dass er sich was das Singen betrifft, gerne im Hintergrund hielt, vor dem Album kannte ich seine Stimme nur aus der Instrument-Aufzählung aus „TB" und - ich glaube - aus „Red dawn" von der „TB II". Ihn hier singen zu hören (und gut singen zu hören) ist etwas einzigartiges.
Was viele bei der Bewertung vergessen ist das Booklet: Ich kann auch hier beruhigend sagen: Das Album besitzt ein volles Booklet, in dem die gesamten Texte enthalten sind, also mitsingen kann jeder, der will.
Ich habe das Album auf blauen Dunst gekauft, wusste nicht was mich erwarten würde. Aber das ich SO davon angetan sein würde, damit hätte ich nicht gerechnet. Das ist eine definitive Empfehlung.