Das erste mal sah und hörte ich Ronnie James Dio am 29.09.1976 im Münchener Zirkus Krone. Ein kleiner, schmächtiger Mann - meist neben dem großen Gitarrero im Dunkeln stehend. Sang er aber, war es egal ob hell oder dunkel, da vertiefte sich der kleine Mann voll und ganz in seine Texte, ließ seinen Gefühlen und seiner, meist erhabenen Gestik freien Lauf. Und so ging auch manches mal im Dunkeln die Sonne auf. Ronnie J. Dio war der Man Of The Silver Mountain, Ritter und Drache zugleich, er war der Holy Diver und der Stargazer; er war Heaven und er war Hell.
Rainbow? Ohne ihn undenkbar. Black Sabbath? Der Ozzy Fan mag es mir verzeihen, aber Ronnie war der einzige wirkliche Sänger den diese Band jemals hatte. DIO? Ganz er selbst, mit all dem, was ihn berührte, faszinierte, forderte und ängstigte. Ronnie James Dio war unbestritten eine, nein, die Ikone des Heavy Rock und Heavy Metal. Dass er mit Heaven & Hell nochmal zurück zu den alten Sabbath-Musikern fand, war höchst begrüßenswert und hat sich wohl auch mehr als ausbezahlt. Millionen von DVD und CD Käufern sind mehr als nur Beleg dafür. Viel bedeutsamer war aber, dass es Ronnie J. Dio, Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice gelang, nicht nur sämtliche Alt-Fans hinter den Öfen und aus den Betten zu holen, sondern auch eine schier unglaublich große Schar an jungem Metal-Volk in ihren Bann zu ziehen.
Nun liegt mit "Neon Nights Live At Wacken" also der letzte, zumindest offiziell mitgeschnittene, Auftritt des kleinen Mannes mit der großen Stimme vor und im Prinzip kann ich mir dazu jeden Superlativ, jeden (allenfalls minimalsten) Kritikansatz, jedes noch so schön gemalte Blümchen und Blättchen um mein Review sparen. Ein jeder der Ronnie James Dio und dessen Verbindung mit Black Sabbath schätzte, jeder, der begeistert die Geburt von Heaven & Hell aufnahm, jeder, der sich voller Schwermut an die endsgeilen Rainbow oder DIO Zeiten erinnerte und womöglich ohnehin sein halbes Leben lang immer und immer wieder zu diesem Ausnahmemusiker fand, wird sich, ohne mit der Wimper zu zucken, "Neon Nights Live At Wacken" besorgen. Und ein jeder wird im Vorfeld wissen, dass dieses Konzert und dieser Mitschnitt über alle Kritik und über jede Rezension erhaben sein wird. "Was kümmert es die Eiche, wenn eine Sa/u sich an ihr reibt!", pflegte mein Großvater zu sagen. Und dies werfe ich allen verbal vor die Füße ;-), die sich über Konzertlänge und Filmschnitt, über Iommi's zwei, drei Fehlgriffe oder die unerschütterliche Statik der Bandmitglieder beklagen. Hier sind Männer am Werk, die allesamt ein gesetztes Alter erreicht haben. Keiner von ihnen hat es nötig sich durch herumgekaspere zu profilieren. Wie viel Spaß sie haben, zeigen die lachenden Augen, die vergnügten Minen und die fast schon greifbare Freude am musizieren!
Wer sich jetzt noch unsicher ist, ob er DVD oder CD (oder beides) erwerben soll, dem sei prinzipiell und ohne Überlegung in erster Linie die DVD nahe gelegt. Ihre Aufnahmequalität ist brillant, der Sound fett und doch differenziert. Und sie zeigt Bilder, die uns (gerade im Hinblick darauf, wie schwer Ronnie J. Dio erkrankt war) ans Herz gehen und bewegen. Bilder, die nur durch CD und unsere Imagination alleine vermutlich nicht halb so intensiv in uns dringen.
"Neon Nights Live AT Wacken" muss also in erster Linie visuell erfahren werden, denn die Nacht jenes 30.07.2009 wird Ronnie James Dio nicht nur für uns alte Knochen, sondern auch für all die vielen, in den letzten Jahren neu hinzugekommenen Fans unsterblich machen!
Dass hat sich der kleine Mann durch harte Arbeit, manchem Unbill und Schrecken, vor allem aber durch sein völlig unprätentiöses, immer sympathisches Wesen und seinen immer mutigen und hoffnungsfrohen Blick nach vorne mehr als nur verdient!
*Ein hooked-on-music.de Review*