Die harsche Kritik an diesem Album kann ich nicht nachvollziehen. Sicher: wer Joe Jackson oberflächlich kennt und von ihm Radio-kompatible Hits wie "Stepping Out" erwartet, der wird mit diesem Album seine Probleme haben. Wer Joe Jacksons Werk dagegen genauer kennt, der weiß, dass er sich einen Dreck um das schert, was Kritiker von ihm erwarten und gerade das macht, wozu er Lust hat. Gerade seine musikalische Vielfältigkeit macht Joe Jackson in meinen Augen zu einem der besten Künstler und Songwriter der Gegenwart. Auch in "Heaven & Hell" zeigt Jackson einmal wieder seine ganze Bandbreite: von melancholischem Pop ("The Bridge"), über klassisch angehauchte Stücke ("Overtüre" und "More is more" man beachte dort besonders die Bassline, die wie ein Derwisch im Kreis tanzt) bis hin zu rockigeren Elelemten. Auch die nusikalischen Gäste auf dieser CD, u.a. Suzanne Vega, Jane Siberry und Brad Roberts (von den Crashtest Dummies) sind erlesen. Hörenswert auch "Tuzla", in dem Jackson die Todsünde "Habgier" in den Jugoslawien-Krieg Anfang der neunziger Jahre verlegt und eine Geschichte über Menschen erzählt, die von diesem Krieg profitieren, indem sie bestimme Waren verkaufen bzw. schmuggeln. Ohne Zweifel, ein Album, auf das man sich einlassen muss und das man nicht so nebenbei hören kann. Je öfter man es hört (jedenfalls erging es mir so), desto faszinierter ist man und je schwerer kommt man von ihm los.