Tu Fawning mögen Tom Waits genauso gerne wie die Boswell Sisters und Jay-Z. Die Portland-Band vernetzt ihre musikalischen Vorlieben zu einer eigenwilligen Soundästhetik, die teils betäubend gut klingt, teils nervt.
Es scheint, als wollten Tu Fawning all ihr Wissen und Können in nur zehn Songs stecken. Die vier Multiinstrumentalisten Corrina Repp, Joe Haege, Toussaint Perrault (Baby Dollars) und Liza Rietz bieten auf ihrem ersten Album "Hearts On Hold" afrikanisches Tribal-Drumming, metallene Gamelan-Orchester-Musik, gnatschiges Indie-Gitarrenspiel, psychedelische Orgelei und spirituellen Chorgesang. Zusammen wird daraus ein düsteres Klangexperiment, das mit der Zeit hypnotische Kräfte annimmt. Alles beginnt mit Waits'scher Gitarrenschrulliger, Melodien von der Melodica und einem meditativen Refrain auf Dauerschleife in "I Know You Know". Zügiges Getrommel und ein undurch- dringbares Percussion-Geflecht gibt es dann in "The Felt Sense", bevor alle zusammen zum Call-and-Response zwischen Saloon-Piano und Jazz-Trompete Seemannschor-ähnlich hin und her schunkeln ("Diamonds"). Detailverliebt arrangiert, und doch endet die Mühe manchmal in nerviger Komplexität. Höhepunkte dieser beeindruckenden wie anstrengenden Platte sind dann "Hand Grenade" mit Ein-Akkord-Heimorgelspiel, das einem Trance-Zustände androht, lässt man es länger als zwei Minuten laufen (es dauert knapp fünf), und "Multiply A House", worin Ooh-oohoo-Jaulen auf eine Medizinmann-Trommel und nicht mehr als zwei Töne auf der Trompete trifft. Strange. Aber auch ein Wagnis, für das Tu Fawning Achtung verdienen.
Produktbeschreibungen
TU FAWNING: Hearts On Hold LP - Vinyl-LP im 12"-Format (30,48 cm Durchmesser), herausgegeben 2010 in Deutschland von City Slang Records // w/ printed inner sleeve