Das langerwartete dritte Album ist immer noch verspielt, wie das Debut "Client" und noch kraftvoller und tiefer und vielschichtiger wie "City". Und im guten Sinne abseits des Mainstreams. Kunst, nicht Kunstbehauptung. Mengentauglich, aber nicht Massenkompatibel.
Fast schon beängstigend, das Hitpotential der Songs! Zu hoffen, daß CLIENT der gebührende Durchbruch nun gelingt. Von einem dicken Geheimtipp sind CLIENT zu einer harten Droge geworden! Popmusik ist kein Schipfwort!
Ein wenig des Albums konnte man schon bei den Demos auf der Rottenham Sessions CD hören, aber jetzt drehen sie richtig auf!
1) Heartland: Mit dem Titelsong geht es auch gleich los, obwohl man sich den ersten Song auch schön als Schlußakkord vorstellen kann. Ein poppiges Downbeat-Stück über Einsamkeit, tanzbar, feierlich und viel Herzschmerz, fast schon ein Schuß zu viel gute Zeiten, schlechte Zeiten...
2) Drive: Eine mentale Hommage von CLIENT als bewegungssüchtige Schwestern von Kraftwerks Autobahn, aber melodisch völlig neu allenfalls die bekannten Jonny Marr-Guitar Einwürfe New Order-like. Abgefahren, da hüpft die Disco. Das Hitpotential entwickelt der Song im Nachgang, wie eine gute Flasche Rotwein. Ironie am Rande: Client B, can't drive.
3) Lights go out: Befreiend wie ein warmer Sommerregen schon als Maxi-Auskopplung eine Hymne an die Nacht und es rockt das Haus. Auf der Limited Edition gibt es auch das Video als DVD!
Schon vergleichbar mit It's a sin der Pet Shop Boys, in Deutschland schon vor 20 Jahren mehrere Wochen Nummer 1! Jetzt: No mercy, no pleasure, no sin! Diesen Song stellt man einfach auf Wiederholung!
4) It's not over: Sarah Blackwood (Ex-Dubstar!) haucht mit tiefer Stimme "Follow me" was man doch gerne tut, weil man merkt, daß die gepfefferten "No's" im Hintergrund von Fans gesampelt wurden und sich dann gerne erinnert, wie auf Konzerten heftig von der Bühne geflirtet wird. Egal welche Stadt, wir folgen gerne!
5) Zerox Machine: Der bekannte Kopierer stand Pate und multipliziert das Album zu einem weiteren Höhepunkt. Besonders Gitarrenfetischisten lassen sich hier von Client E (Emily) gerne einheizen. Zum Ausflippen und um nicht nur an kalten Tagen die Herzfrequenz zu erhöhen.
6) Someone to hurt: Aus dem ehemaligen Song D.I.S.C.O. ist Blut in Wallung bringender Optimismus geworden, Blackwood Stimme jetzt naiv und offenherzig piepsend "it can't get any worse" und sie hat ja auch noch so recht!
7) 6 in the morning: Schon die Maxi als B-Seite von Drive hat vermuten lassen, daß dieser Song eigentlich Hüftschwünge oder Besenschwingen verursacht und den Wippfaktor erhöhen wird. Also auch die Album-Version durchaus zum Frühjahrsputz geeignet, muß ja nicht um 6 Uhr morgens sein!
8) Where's the Rock'n' roll gone: Er war gar nie weg der Guten, den auch auf "Client" und "City" gab es Rock'n'Roll und It's Rock'n'roll und auf den Konzerten fast immer beides!
9) Monkey on my back: Das Satz "Pain equal love" könnte direkt von Depeche Mode stammen und
das Bassbrummen machen daraus einen Kracher! Auch auffällig: viele Songs immer deutlich über 4 Minuten lang!
10) Koeln: Düsteres, geheimnisvoll-sphärisches Instrumental als Hommage sicher an die Kölner Fanbase und legendären Meet'n'Greats und Chats nach den Konzerten seit 2003. Man stelle sich nur dazu Autotunnelfahrten, Brückenüberquerungen und das Ziel Undergroued-Club vor im Sommer! Ein perfektes Intro.
11) Get your man: Ein kleines Outro vielleicht noch Überbleibsel von It's rock 'n' Roll? Gut zum Mixen geeignet.
Kurzum eine richtige Platte für die Disco am Abend, am Morgen um sich in den Tag zu kicken, oder am Sonntag, die Wolken wegzublasen. Client B hatte es auch versprochen "polish, the good way". Wer die drei Ladies noch nie live gesehen hat, hat 2007 wieder reichlich Gelegenheit dazu.
Zusätzlich auf der DVD detailverliebte virtuelle 3D-Welten, die die Extravaganz der Band auch optisch opulent unterstreichen! Darauf haben nicht nur Fans und Kunstexperten lange gewartet, denn Musikfernsehen ist Mainstream geworden und Client fand dort ja nie in einer angemessenen Form statt, wenn überhaupt.