Wahljahr ist! In der kleinen amerikanischen Provinzstadt Bashford. Der Sohn des größten Arbeitgebers John Mapother, der Inhaber eines Tabakkonzerns soll für den Kongress kandidieren - smart, gut aussehend, verheiratet, Mitte Vierzig - was will man mehr? Um auch die kleinen Leute, die Wrestlingfans unter der Wählerschaft für sich zu gewinnen, holt er das schwarze Schaf der Familie, seinen dreißig jährigen, ökonomisch wenig ambitionierten Bruder Eugene alias Blue Gene ins Boot. Dieser ungustiöse Kerl, der wenig auf sein Äußeres und das der anderen achtet, vertritt allerdings andere Werte, als der Rest der strahlenden Familie.
Was als kritische Politkomödie einen blendenden Anfang nimmt, endet in einer unerfüllten Liebes- und etwas weinerlichen Familiengeschichte mit schlussendlichem Happy End - hmpffffffffff.
Sehr erfrischend startet Goebel seinen Roman rund um die aktuelle amerikanische Politik (er nimmt eine Prise Al Gore, mischt diesen in erz-republikanische, konservative Basis, gespickt mit gut aussehenden Menschen) und bedient sich der amerikanischen Sichtweise des Irakkrieges und der aktuellen Situation im Irak aus Sicht der Amerikaner als zentrales Wahlkampfthema - sehr mutig und ausgezeichnet in Szene gesetzt. Die Begegnungen der beiden ungleichen Brüder mit dem Volk sind zumal sehr detailliert beschrieben, strotzen jedoch von kleinen Seitenhieben und das erfrischt.
Etwa ab der Hälfte kommt ein tief vergrabenes Familiengeheimnis ans Tageslicht und bedroht den Wahlkampf und nicht zuletzt die wiedererlangte Familieneinigkeit. Über das Geheimnis kann man streiten - zumal ist es ein wenig pathetisch und überzeichnet, zumal ist es für mich nicht unvorstellbar, dass Kongressabgeordnete solch dunkle Flecken hinter ihrem weißen Öffentlichkeitslächeln verschanzen.
An Vergleiche mit den amtierenden Kaisern der amerikanischen Gegenwarts- und Unterhaltungsliteratur wage ich mich hier nicht. Ein kritischer, sarkastischer und (zwischen den Zeilen) humorvoller Roman mit einem spannenden und erfrischend neuen, aktuellen Thema. Dass Goebel an Zwischentönen in seiner unmissverständlichen, schwarz-weißen Darstellung spart, dass die Guten besser und die Bösen machthungriger werden, nimmt der Geschichte etwas Raffinesse und dass hier nicht der wesentlich treffendere Originaltitel Commonwealth" beibehalten wurde, ist für mich ein kleiner Wehrmutstropfen.