Endlich: Ein Boyle/Irving-Nachfolger scheint gefunden. Was Goebel hier abliefert ist ein 1A-Roman, der Büchern wie "TalkTalk", "Dr. Sex" oder "Witwe für ein Jahr" in nichts nachsteht.
Gerade für Nicht-Amerikaner zeichnet er ein pefektes Bild, prangert Populismus, Doppelzüngigkeit und Doppelmoral an, ohne selbst als Autor den Finger zu heben.
Nun. Die Idee ist nicht neu! Neu ist, dass es Goebel gelingt, das alles in ein herzzerreissendes Familienepos zu packen, das vor Konflikten (innerlichen und äußerlichen) nur so sprüht. Die Identifikation mit den Figuren gelingt ihm sehr schnell, so dass er ähnlich wie Irving den ganzen Dreck an die Oberfläche holen kann, ohne dass man Sympathie, Mitgefühl und Mitleid mit den Figuren verliert.
Und die setzt er dem vollen Programm aus: Die Geschichte vom Anfang und vom Ende, von Lügen und Wahrheit, von Liebe und Verrat, von Ungerechtigkeit und doch Gerechtigkeit in der Familie. Von kleinen und großen Machtspielen und der Ignoranz der Religion.
Das mag jetzt "martialisch" klingen. Ist es aber nicht. Denn es ist in eine ganz nachvollziehbare Familiengeschichte gepackt, die wütend und gleichzeitig milde stimmt.
NATÜRLICH muss man beim Lesen der Geschichte an die Bushs und Kennedys denken. Das war sicher auch beabsichtigt. Und das macht dann das Lesen auch zu einem Erlebnis. Das Buch beweist, das Ehre weder vererbar, noch käuflich ist. Das Lügen vor allem den Lügner zerstört.
Dass sich Goebel dabei einer Sprache bedient, die dabei auch alle Facetten Amerikas innerhalb dieser Konstellation wirklich hautnah vermittelt, ist vielleicht sein wahrer Geniestreich. Eben das, was normalerweise nur einem Boyle oder Irving gelingt.
Lesen, lesen, lesen!