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5.0 von 5 Sternen
Nicht herzzerreißend sondern ermutigend, 27. August 2005
"And when this book is not winning, attached to it are labels: 'Post' this, or 'meta' that. Oh gosh. Where to start? These are the sort of prefixes used by those without opinions." (34)So äußerst sich Eggers in dem Nachwort mit der Überschrift "Mistake we knew we were making" über die Vorliebe der heutigen Zeit, alles und jeden in bestimmte Kategorien zu packen. Er bittet die Leser seiner Biographie sich von diesen "meaningless stickers" (ibid.) zu verabschieden und stattdessen: "People, Friends, Please: Trust your Eyes, Trust your Ears, Trust your Art." (ibid.) Es ist dies ein Aufruf an die Leserschaft seiner Lebensgeschichte, sich von eventuellen theoretischen Vorbelastungen frei zu machen und "A Heartbreaking Work of Staggering Genius" einfach umittelbar auf sich wirken zu lassen. denn: "everyone who actually reads this book, or any book, will understand it." (ibid.) In A.H.W.O.S.G. beschreibt Dave Eggers den Krebstod seiner beiden Eltern innerhalb von nur 32 Tagen. Er ist zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt und nun in der Situation, Ersatzvater für seinen neunjährigen Bruder Toph zu sein. Wie er in den kommenden sieben Jahre sein Leben lebt, welche Schwierigkeiten und absurde Situationen ihm begnegen und nicht zuletzt wie er sich bemüht seine eigene Trauer zu überwinden und gleichzeitig versucht, seinem Bruder eine halbwegs "normale" Kindheit zu ermöglichen, ist Thema von Eggers Biographie. Dabei schafft er, was vor ihm nur wenigen gelungen ist. Deutlich spürt der Leser die Wut, die Trauer, den Hass und die Verzweiflung des Erzählers und dennoch wirkt A.H.W.O.S.G. an keiner Stelle kitschig. An keiner Stelle kommt so etwas wie Selbstmitleid zum Vorschein. Es ist der offene, teils brutal ehrliche, Erfahrungsbericht eines jungen Menschen, der unverschuldet in eine Ausnahmesituation geraten ist, sich aber dennoch seine Liebe zum Leben bewahrt hat. Auch wenn sich Eggers in seinem Nachwort gegenüber Kategorisierungen wie, zum Beispiel, "postmodern" verwahrt, spielt er im Verlaufe der gesamten Geschichte mit postmodernen Elementen. Zu Beginn gibt er dem Leser diverse Ratschläge, wie er das Buch zu lesen hat, welche Kapitel entscheidend seien und welche man ruhigen Gewissens überspringen könne. Es folgt ein Kapitel über die Hauptthemen und Motive seiner Biographie und zuletzt eine tabellarische Übersicht über die Bedeutung von einigen Symbolen und Metaphern (Sun=Mother; Nosebleed=Decay, zum Beispiel). Auch während der Geschichte selbst erläutert Eggers immer wieder, warum er dies Ereignis jetzt so dargestellt hat, wie er es dargestellt hat und wie er es auch anders hätte präsentieren können. Für Freunde einer genauen Analyse drängt sich die Einordnung von A.H.W.O.S.G. unter den Oberbegriff postmodern also geradezu auf. Doch er zieht diese Elemente dermaßen durch den Kakao, dass es eigentlich recht schnell klar wird, was Eggers wirklich will und was er dann ja auch im Nachwort deutlich macht: er will die Wahrheit, seine Wahrheit, über sich, sein Leben und seinen Bruder vermitteln. Und diese Wahrheit sei für den Leser, der bereit ist zu verstehen, jenseits aller Kategoresierungswut, zu erreichen. Fazit: Eggers gehört mir Jonathan Safran Foer zu der neuen Gilde junger amerikanischer Autoren, die uralte menschliche Themen wie Trauer, Leid und Tod auf eine neue, mitreißende Art bearbeiten: ohne Kitsch, ohne ständiges Tränenfließen, ohne Selbstmitleid, sondern, trotz aller Härten und Ungerechtigkeiten, mit einer immer spürbaren Liebe zum Leben.
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