'Heartbreaker' lautet der Titel von Ryan Adams oftmals übersehenen Debütwerk. Das im Jahre 2000 erschienene Album steht zumeist im Schatten späterer Alben wie 'Gold' oder 'Love is Hell'. Doch dass sich mehr als nur ein Blick auf diese früheste LP des Songschreibers lohnt, möchte ich Ihnen hier darlegen.
Gegenüber den später veröffentlichten, zunehmend Rock-lastigen Alben bildet 'Hearbreaker' fast schon einen Gegenpart. Dieses ist das mit Abstand ruhigste Album und ist dem Genre nach am meisten in der Sparte Country einzuordnen.
'Heartbreaker' öffnet mit einem netten, lustigen Intro, dass den Streit über einen Morrissey-Song dokumentiert und startet dann mit 'To be young (is to be sad, is to be high)' quasi durch. Denn dieser Track ist bereits das Rockigste, was man auf der Platte finden kann (vielleicht noch abgesehen von 'Shakedown on 9th Street').
Nach diesem versetzten Opener verringert sich die Lautstärke merklich und es eröffnet sich der wahre Charakter dieser LP. Mit 'My Winding Wheel' geht es ganz tief in die Country-Gefilde, doch keine Angst: im weiteren Verlauf der Platte sind es nur noch die Instrumente, die an Adams musikalische Heimstätte erinnert.
Ansonsten bietet der US-Amerikaner herrlichste Stücke nach bester Songwriter-Manier. Herrlich bedeutet hier: zerbrechlich, labil, verzweifelt und endlos traurig. Denn genau so fühlen sich die Lieder an. Herauszuheben ist da kaum ein Song, weil Adams überall mit der gleichen Intensität eines liebeshungrigen, aber tiefverzweifelten Mannes singt.
Eine der schönsten Stellen ist sicher der Beginn von 'Call Me on Your Way back Home', wenn Adams hörbar durch die Nase ausatmet, als wiche die letzte Lebenslust aus seiner Lunge, bevor er ansetzt: "Oh Baby, why / do I miss you like I do?" Ebenfalls als wunderschön erachte ich die Stelle in selbigem Song, wenn die Mundharmonika einsetzt, oder wenn der Song 'Damn, Sam (I love a Woman that rains)' ausklingt und in passendem Rythmus anschließend 'Come Pick Me Up' einsetzt. Adams arbeitet sich durch die komplette Thematik der gescheiterten Liebe und lässt dabei kein noch so bitteres Kapitel aus. Immer dabei ist eine herzzerreißende Mundharmonika und den Sinn des Lebens und Liebens anzweifelnde Verse. Der Long Player endet schließlich mit dem verstörenden, weil im Verhältnis zu den vorherigen Songs einzigartig instrumentalisierten 'Sweet lil Gal (23rd/1st)'.
Man mag behaupten, dass die Songs allesamt gleich klingen, dass das Album penetrant langweilig gerät, wenn man die ersten fünf oder sechs Songs gehört hat. Doch lege ich diesen Menschen herzlichst nahe, auf den nächsten Abend zu warten, für einen kurzen, erfrischenden Sommerregen zu sorgen, das Zimmerfenster zu öffnen, die Platte einzulegen und sich abwechselnd ans Fenster zu stellen oder sich auf den Fußboden zu legen, die Augen zur Decke zu richten. Die Platte wird tief ins Herz hinein greifen.
Für 'Heartbreaker' muss man sich rund 52 Minuten Zeit zu einer ruhigen, ungestörten Stunde nehmen, der Rest kommt von alleine. Dieses Album bedeutet Leiden und Sterben, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, kurz: es ist für die Menschen unter uns, die mit gebrochenem Herz leben und es bricht die Herzen aller anderen Menschen, sei es auch nur für die Länge dieses Platte. Hier ist Tiefgang und Nachtschwärze und Gänsehaut, viel viel Gänsehaut, wenn ein sanftes 'Don't ask for the Water' erklingt, dass man widerstandslos in sich kommen lassen muss, denn würde man es berühren, zerbräche es. Dieses Album ist unantastbar, da es schon längst in einem steckt. Eines der Alben, bei denen man weinen kann, denn es ist immerhin die eigene Seele, die dabei zertrümmert und notdürftig wieder zusammengeflickt wird.