Der Plot ist eigentlich recht simpel: Marlow heuert bei einer mysteriösen Elfenbeinfirma an und geht als Kapitän eines kleinen Schiffes nach Belgisch-Kongo. Dort erhält er den Auftrag tief ins Landesinnere, in das "Heart of Darkness" zu fahren, um nach Dr. Kurtz zu sehen, einen hochrangigen Mitarbeiter der Firma, der als verschollen gilt. Was er dort erlebt, lässt sich nur in zwei Worten passend beschreiben: "The horror"
Doch der Horror beginnt nicht erst ab Marlows Begegnung mit dem wahnsinnigen Kurtz, sondern schon direkt nach seiner Ankunft in Belgisch-Kongo. Die Firma hat die Eingeborenen brutal versklavt und schickt sie zum Sterben einfach an einen etwas abseits gelegenen Ort. Dieses wird dann als "high and just proceeding" bezeichnet.
Doch die Begegnung mit Kurtz übertrifft diesen Horror noch. Dieser hat tief im Dschungel eine Armee von Eingeborenen um sich geschart, die ihn als Gott verehren und die er noch brutaler ausbeutet als die Firma. Seine Ideologie hat er, bevor er wahnsinnig wurde, in einem 17-seitigen Bericht an die "International Society for the Supression of Savage Customs" dargelegt. Dieser Bericht beginnt mit der Feststellung, dass die weiße Rasse den Eingeborenen als "supernatural beings" erscheinen müssen und dass sie somit "a power for good practically unbounded" innehaben. Doch der in Ansätzen vorhandene Humanismus dieser "burning noble words" kehrt sich in völlige Brutalität um, wenn man sich die letzten vier, später hinzugefügten, Worte des Berichts betrachtet: "Exterminate all the brutes!"
Es gibt unzählige Interpretationsmöglichkeiten diesen ersten Roman des 20. Jahrhunderts zu deuten. Dies soll jeder Leser für sich entscheiden. Was bleibt ist ein faszinierendes, wenn auch sehr schwierig zu lesendes, Buch, dass einen tiefen Blick in die dunkle Seele des Menschen wirft.
PS: auch wenn es schon oft gesagt wurde: "Heart of Dearkness" ist die literarische Vorlage zu "Apocalypse Now" mit einem genialen Marlon Brando als Kurtz.