In dem Film geht es um die Schwestern Dinah und Madeleine und Madeleines Mann Rickie. Er ist eine Verfilmung eines Romans der eher unbekannten britischen Autorin Rosmond Lehmann von 1953. Die Hauptgeschichte spielt Anfang der Dreißiger Jahre in London, ein kleinerer, rückschauener Anteil im Nachkriegslondon. Die Schwester sind ungleich, Madeleine die 'klassische', elegante, beherrschte englische Lady, Dinah eher unkonventionell, etwas exzentrisch, mit starkem Hang zur Kunst. Obowohl mit Madeleine verheiratet fühlt sich Rickie zu Dina hingezogen und beginnt eine Affäre mit ihr. Als Dinah schwanger wird (das ist hoffentlich nicht zuviel gespoilert), wird die Beziehung ernsthafter und schwieriger. Diverse Krankheiten und Todesfälle belasten die sowieso schon schwierige Beziehung. Als Madeleine davon erfährt legt sich der Fokus auf die Bruchstellen von Loyalität zur Ehe, zur Familie (die Mutter der Schwester spielt hier eine wichtige Rolle), zur Tradition, zu gesellschaftlichen Konventionen und zu Kindern.
Der Film ist handwerklich sehr gut gemacht. In klaren, präzisen Bildern beleuchtet er die psychischen Konflikte und die Brüche in den gesellschaftlichen und sozialen Strukturen. Die Figuren haben keine tiefgreifende oder besonders innovative Identität, aber eine hohe Präsenz, was auch an den durchweg nicht hochklassigen, aber sehr guten schauspielerischen Leistungen liegt. Alles was jenseits der Geschichte liegt, ist an dem Film hochwertig gemacht und das Betrachten ein Genuss.
Die Geschichte allerdings hatte für mich zu wenig Druck. Zum einen ist das Thema der Konflikte in der Gesellschaft (der damaligen Zeit, die aber immer auch Projektionsfläche unserer heutigen Gesellschaft ist) schon oft behandelt worden. Bei Wiederholungen des Themas hofft man daher auf Blickwinkel oder Figuren, die etwas neues bieten. Das tut dieser Film nicht. In seiner eher visuellen Ausrichtung, sehr wortkarg, konzentriert er sich auf gängige Bilder von Personen, die er gekonnt darstellt, aber nicht vertieft oder erläutert. Wer weniger Filme schaut und in dem Genre Perioddrama oder Beziehungsdrama weniger Vergleiche kennt, kann beeindruckt sein. Wer mehr ähnliche Filme kennt, ist manchmal gelangweilt. Die Dialoge sind ok, aber sehr standardmäßig. Die Figuren sagen viele Sätze, die einem bekannt vorkommen. Etwas unglücklich fand ich die Idee die Rückblenden aus der Nachkriegszeit in einzelnen Sequenzen über den Film zu zerstreuen. Man erfährt dadurch bereits zur Hälfte des Films, wer in der zweiten Hälfte in der Geschichte in den Dreißigern noch sterben wird. Das verringert die Spannung und das emotionale Mitleiden mit den Figuren, die ja auch immer darin besteht zu wissen, dass in solchen Filmen immer Hauptpersonen sterben, man fragt sich nur welche. Es ist besonders schade, weil die Nachkriegssequenzen zu den emotional berührenderen, photographisch nochmal einen Tick besser eingefangenen gehören.
Fazit: Für weniger Filmerfahrene kann es ein richtig hochklassiger, berührender Film sein, der dann auch fünf Sterne verdient hat. Für erfahrender Filmfans ist er aufgrund seiner zwar handwerklichen Klasse, aber mangelnden erzählerischen Orginalität etwas schwächer einzustufen.
Das Englisch ist sprachlich gut zu verstehen, akkustisch manchmal etwas undeutlich. Mit den englischen Untertiteln aber kein Problem.