Was eignet sich besser für einen schaurig-schönen Horrorfilm als urbane Legenden? In Deutschland haben wir es ja leider nur bis zur Spinne in der Yucca-Palme gebracht, Amerika ist uns da mal wieder meilenweit voraus. Nun ja, sie sind ja auch laut Statistik das Land mit den meisten Serienmördern, da ist es ja nur logisch, dass sie über ein viel größeres Grusel-Repertoire verfügen. Leider auch über ein viel größeres Repertoire an schlechten Horrorfilmen, wie uns "Headless Horseman" so schlecht wie überzeugend vor Augen führt.
Die übliche Gruppe junger Erwachsener im Party-Modus, diesmal anlässlich - Überraschung - Halloween. Ebenso üblich ist es, sich ins Auto zu setzen und damit irgendwo in die hillbillyverseuchte Pampa zu brettern, weil man ja, wie jeder weiß, mitten im Wald und mit einer Handvoll grenzdebiler Eierköppe so viel mehr Spaß hat als in der Stadt mit seinen Freunden. Hier handelt es sich um die - noch mal Überraschung - inzestverseuchte Brut einen kleinen Dorfes, die einem warum auch immer kopflosen Reiter irgendwann anno Knips einmal jährlich zu Halloween sieben bratzige Hohlrüben als Opfer dafür versprochen hat, dass sie ihre degenerierte Genmasse fröhlich weiter untereinander austauschen können. Was für ein Zufall, dass unsere partygeile Reisegruppe genau sieben Vollidioten umfasst. Diese werden nun mehr oder weniger geschickt von der dumpfnasigen Amöben-Bevölkerung direkt in die vermoderten Arme des schlecht gekleideten Pferdeflüsterers geschubst. Mit ein bisschen Gegenwehr war zu rechnen, denn irgendwie muss man die 92minütige Reitstunde ja schließlich voll bekommen. So purzelt eine hohle Rübe nach der anderen durchs Unterholz und nur die ganz Renitenten halten bis zum Schluss durch.
Das versucht auch der Zuschauer, aber es fällt ihm zunehmend schwer. So dünn wie die Story, so schlecht sind die Darsteller. Nun gut, damit ist in 80% aller Horrorfilme ja nun mal zu rechnen, dennoch ist es immer wieder erstaunlich, wie viele schlechte Schauspieler es gibt, wie viele null-innovative Drehbuchschreiber und wie viele vollkommen überforderte oder übergeschnappte Regisseure. Zumindest Letzteres überrascht, hat Regisseur Anthony C. Ferrante den gar nicht mal sooo schlechten "Scream and Run" bzw. "Boo" abgeliefert. Auch nix Neues, aber wesentlich weniger dilettantisch und blöde als dieser kopflose Schwachsinn.
Der rübige Reiter ist ungefähr so gruselig wie Hui Buh, wenn er da in seiner mottenzerfressenen Kutte durchs Laub prescht. Je mehr Köpfe er kassiert, umso schneller wächst ihm sein eigener nach, was von den Make-up-Dilettanten und FX-Flachpfeifen ziemlich billig gepinselt und geknetet hingerotzt wurde. Lustig ist er auch noch, der feine Herr, setzt er sich doch in einer Szene sogar anlässlich Halloweens nen gammeligen Kürbis auf den offenen Hals' was haben wir gelacht. Lachen könnte man aber auch noch über die durch die Bank weg grottigen Darstellungen der talentfreien Schauspielerriege. Wer hofft, dass die Vollpfosten dann zumindest apart aussehen, kann sich auch gleich wieder hinlegen, weder Männlein noch Weiblein sind was fürs Auge, die Damen ziehen auch nicht blank, so dass noch nicht mal billig bedienter Voyeurismus als Plus ins Feld geführt werden könnte. Und auch der dörfliche Genmatsch sollte lieber mal bei den Hackfressen aus Wrong Turn Nachhilfe nehmen, denn auch hier liegt der Gruselfaktor unter Null. Erwähnte ich schon die billigen Pappkulissen und die schlecht ausgeleuchteten Sets? Genau. Und auch für Splatterfans ist nur das übliche Köpfekullern plus zwei bis drei matschige Standardszenen drin.
Also, der kopflose Reiter verbreitet beim Zuschauer weder Angst noch Schrecken, der Drehbuchautor hingegen will uns offensichtlich für ziemlich dumm verkaufen und der Cast agiert mit soviel Verve wie ein herabfallendes Blatt im dunklen, dunklen Wald. Die Technik ist mangelhaft, die Settings billig und auch mit viel Wohlwollen kann man dem "Headless Horseman" kaum etwas abgewinnen. Denn zum waschechten Trash fehlt ihm einfach das Quäntchen anarchischen Witzes und absoluter Gleichgültigkeit gegenüber den Wünschen des Zuschauers. Dutzendware auf dem unteren Drittel der Miese-Filme-Skala, so überflüssig, wie Pete Doherty Zahnpasta zu schenken. Also noch das übliche Dutzend Regie- und Logikfehler dazu sowie den unmelodiösen Horror-Schrammel-Score und dann kann man den Sack auch schon zumachen. Gerade mal noch eine von fünf Mottenkugeln für den Regisseur, der zumindest einmal schon etwas Besseres abgeliefert hat.