2010 erschien das zweite Album der mongolisch-chinesischen Gruppe Hanggai namens "Der weit reist" (He who travels far), das mit über 50 Minuten Spielzeit wesentlich umfangreicher ist und eine deutliche Weiterentwicklung des Ensembles dokumentiert.
Wie vom vorigen Rezensenten richtig bemerkt, enthält die CD Neuaufnahmen von Titeln, die schon auf "Introducing Hanggai" vertreten waren. Es sind aber nicht drei, sondern vier 'Doppelnummern', von denen die meisten umbenannt wurden, nämlich: "Wuji" = "Uruumdush", "Borulai's Lullaby", "Drinking Song" = "Ayrhindu" und "Four Seasons" = "Dorov Moraril". Im Unterschied zum vorigen Rezensenten (Niklas Schröder) empfinde ich das nicht als Nachteil, sondern als Bereicherung, läßt sich doch an diesen vier Titeln die Entwicklung der Gruppe bestens nachvollziehen. Mit dem Einbezug von Gitarre und Schlagzeug, der mongolischen Folklore an sich eher fremd, ergibt sich eine Verschiebung hin zu wesentlich rockigeren, schnelleren Arrangements, die der internationalen Rezeption zugute kommen dürfte. Andererseits unterstreicht die Umbenennung der letzten beiden Titel auch den Anspruch, authentische mongolische Folklore zu bieten, der eingelöst wird: 9 der 14 Stücke sind in Bezug auf Text und Musik Traditionals. (Weitere 3 Bonus-Tracks wurden wohl nach Drucklegung des Booklets aufgenommen, über sie finden sich dort keine Informationen).
Zu meinen Lieblingsstücken zählt "Ayrhindu", ein Trinklied, bei dem jeder Durchgang der Strophe schneller gespielt und gesungen wird. Es kommt mit wesentlich mehr Spielfreude und Fingerfertigkeit daher als die Vorläuferversion, zumal die Strophen selbst bei beachtlich hoher Geschwindigkeit noch im Kanon gesungen werden. Auch "Dorov Moraril" ist jetzt mit mehr Tempo und Biß aufgenommen; dazu kracht die Rockgitarre in sonderbarem Kontrast zum einleitenden Steppenjoiken.
Sehr hübsch anzuhören ist auch das absolut mitreißende "Xiger Xiger", das vom Klingeln der Perlenschnüre am Zaumzeug von vier verschiedenen Pferden handelt. Die Texte orientieren sich eng an der Lebenswirklichkeit nomadischer Steppenbewohner, wobei Landschaften und Pferde thematisch im Vordergrund stehen, Erfreulicherweise liegt der CD nämlich ein informatives Booklet mit Liedtexten in Mongol und Englisch bei, so daß man eine ungefähre Idee bekommt, worum es im jeweiligen Song geht.