Schon in ihrem vorherigen Album - The Crane Wife - versuchten sich die Decemberists an einem Konzeptalbum, ein Album das ein großes Thema behandelt. Das funktionierte die ersten Minuten ganz gut, im Großen und Ganzen kann man bei The Crane Wife aber nicht von einem Konzeptalbum sprechen.
Doch Colin Meloy und seine Mannen gaben nicht auf und bringen diese Tage ihr nunmehr fünftes Album heraus: The Hazards of Love. Zur Idee und Geschichte des Albums verweise ich kurzerhand auf die Produktbeschreibung der CD.
Musikalisch ist das Album deutlich härter als alles was die Band vorher gemacht hat, teilweise sehr gitarrenlastig. Außerdem wurde die Band um zwei Frauenstimmen bereichert, die sozusagen die meisten weiblichen Parts der Songs spielen. "Uh-oh", denken da sicher einige Fans, so auch ich im Vorfeld. Es gibt aber Entwarnung: Trotz der musikalischen Veränderungen ist "The Hazards of Love" ein vollwertiges Decemberists-Album geworden.
Dennoch muss man sich in das Album erst einmal hineinhören. Es gibt zwar, wie immer, ein paar echte Perlen (z.B. mit "Annan Water" oder "The Hazards of Love 4" Stücke im typischen Decemberists-Stil), doch es gibt auch ein paar unscheinbare Songs, mit denen man zuerst hadert, sie dann jedoch ebenfalls ins Herz schließt, vorausgesetzt man beschäftigt sich etwas mit ihnen. So z.B. der "Rake's Song" der musikalisch erst etwas suspekt daherkommt, sich dann jedoch als echter Knaller entpuppt.
Das liegt nicht zuletzt an den, wie immer, grandiosen Texten. Das Thema der "Gefahren der Liebe" zieht sich tatsächlich wie ein roter Faden durch das gesamte Album (nicht nur in den 4 Titelsongs), ohne jedoch jemals langweilig zu werden. Nie hat man das Gefühl, dass Meloy irgendwelche Ideen verwurstet hat und nur mit anderen Worten das Gleiche sagt. Umso erstaunlicher ist es, wie er es immer wieder schafft, auf dieses eine große Thema - The Hazards of Love - zurück zu kommen.
Hier besingt der Liebhaber seine Geliebte, für die er alles aufs Spiel setzt. Dort erzählt der ehemalige Junggeselle und Lebemann die schaurige Geschichte seiner Ehe und seiner 3 Kinder, die er ermordet hat, um wieder frei sein zu können.
Die Texte sind typisch Decemberists und eigentlich allein schon den Kauf wert. Auch musikalisch gibt es wieder Stoff vom Feinsten. Ruhige und fetzige Songs wechseln sich ab, mit nahezu fließenden Übergängen, sodass man das Album eigentlich nur als Ganzes hören kann und sich nicht einzelne Songs raussuchen darf.
Fazit:
"The Hazards of Love" ist eigentlich wie ein guter Wein. Erstmals geöffnet, muss man ihn erst etwas stehen lassen damit sich der Geschmack an der Luft entfaltet, danach möchte man aber gar nicht mehr aufhören zu trinken.
War ich zuerst etwas skeptisch, bin ich nun absolut begeistert von dem Album, da hier einfach alles zusammenpasst. Einzelne Songs, die ich - stünden sie allein - vielleicht nicht so gut fände, funktionieren hier großartig, da das Gesamtwerk einfach stimmig ist und die Songs einfach "passen".
Das Meisterwerk der Decemberists - "Picaresque" - bleibt zwar unerreicht, doch dieses Album sollte sich kein Genießer guter Musik entgehen lassen und Fans der Decemberists schon gar nicht.
Ein winzigen Kritikpunkt gibt es jedoch: Das Booklet ist mit einer Schrift und Farbabstimmung gedruckt worden, die es recht schwierig machen entspannt die Texte mitzulesen und manchmal sind die dort stehenden Texte sogar schlichtweg falsch. Das ist besonders bei einer Band wie den Decemberists, bei denen die Texte so eine wichtige Rolle spielen, sehr schade.